2021: Reisebericht Lauf um die Welt

1. Etappe 669 km

Wir schaffen es pünktlich am Montag 08.02.2021 bei minus 3 Grad Richtung Süden zu starten. Der Winter hat Deutschland fest im Griff, und so erreichen wir das Schloss Neuschwanstein in Bayern bei Temperaturen von minus 13 Grad. Sonne und Schnee, so sehen wir das Schloss trotz der Kälte von seiner schönsten Seite. Ein kleiner Stadtbummel führt uns durch die idyllische Altstadt von Füssen. Bevor es dann Richtung Süden weitergeht machen wir noch ein Abstecher zum Lechfall, dessen Wassermassen sich 12 Meter in die Tiefe der Lechschlucht stürzen. Weiter führt uns der Weg über den Brenner nach Südtirol bis kurz hinter Bozen (Bolzano). Landschaftlich ist es hier in der Bergwelt zwar wunderschön, aber die Temperaturen von minus 3 Grad sind einfach zu kalt und wir sollten schleunigst weiter in wärmere Gefilde wandern.

Reisebericht 2. Etappe 883 km

Nach einer eisig kalten Nacht führt uns der Weg durch das italienische Alpenvorland in die Lagunenstadt Venedig. Bei unserer Ankunft ist es noch grau und trüb, doch im Laufe des Tages gibt es Sonne pur bei 10 Grad. Highlight neben den Sehenswürdigkeiten wie Markusplatz, Markusdom, Seufzerbrücke, Dogenpalast u.a. ist natürlich die Gondelfahrt durch den 4 km langen Kanal Grande. Noch ein bisschen entspannen an der Lagune de Venedig, dann müssen wir weiter. Wir folgen weiter der Adriaküste über die Badeorte Rimini, San Marino, Ancona und gönnen uns in Pescara unsere erste italienische Pizza. Termoli nehmen wir noch mit, sparen uns aber den Gargano aus, weil er nicht direkt auf unserer Route liegt. In Bari überbrücken wir die Wartezeit vor der Überfahrt mit der Fähre am Strand bei sonnigen 15 Grad mit italienischem Eis.

Reisebericht 3. Etappe 790 km

Bei Sonnenschein und Tageshöchsttemperaturen bis 20 Grad genießen wir die Überfahrt mit der Fähre von Bari in Italien nach Durres, eine der wichtigsten Hafen- und Handelsstädte Albaniens. Zuerst strömen wir in die Wechselstube, damit wir einen Teil unserer Euros in Albanische Lek tauschen und im Archäologischen Museum aus dem 3. Jahrhundert vor Christus gleich wieder ausgeben können. Weiter führt uns der Weg entlang der albanischen Küste bis zur ganz im Süden gelegenen Küstenstadt Saranda. Nach kurzem Zwischenstopp mit Blick auf die Insel Korfu geht’s mit großen Schritten weiter Richtung Griechenland. Die Grenze überqueren wir in einem winzigen Ort namens Kakavija. Mit dem Ziel schnell nach Athen zu kommen passieren wir die Inlandsroute im Eilschritt, der jedoch bei der Überquerung des 1.425 m hohen Pindos Gebirges stark gebremst wird. Als wir endlich erschöpft, zufrieden und hungrig Athen erreichen, können wir uns nur schwer entscheiden welche griechische Spezialität die beste ist und so begeben wir uns mit Gyros, Moussaka und Souvlaki bewaffnet an den Strand, genießen das Essen und die Sonne, während ein leichter Wind kleine Wellen auf den Sand spült.                                                                   

In Athen ist der Aufenthalt ein bisschen länger geplant, so dass wir uns die Akropolis, die Stadtfestung des antiken Griechenlands, den großen, der Stadtgöttin geweihten Burgberg im Herzen Athens, der auch als Wohnsitz der Götter bezeichnet wird in Ruhe ansehen können. Inmitten dieser Stadtfestung, umgeben von verschiedenen Bauwerken aus dem 5. Jahrhundert vor Christus, steht der Haupttempel, der große, als Pantheon bekannte Athena-Tempel. Im Nationalgarden, dem ehemaligen königliche Garten, mit seiner beeindruckenden Pflanzen- und Blumenvielfalt, dem botansichen Museum und dem Attischen Zoologischen Park mit ca. 2.000 Tieren aus 400 Arten können wir so richtig entspannen und die Seele baumeln lassen bis zur nächsten Überfahrt.

Reisebericht 4. Etappe 994 km (gesamt 3.336 km)

Weiter geht es auf unserer Reise auf dem Seeweg durch die Ägäis entlang der griechischen Inselgruppe der Kykladen mit den Inseln Tinos, Mikonos, Ilkaria und Samos. Während die Insel Tinos, die von Bergen durchzogen, ein bedeutender Wallfahrtsort für die Griechen ist, ist Mikonos die von Touristen meist besuchte griechische Insel. Die Insel Ilkari wird auch die „Insel der Hundertjährigen“ genannt, weil die Menschen hier älter werden als anderswo, während Samos mit bergischen Landschaften, traumhaften Küstenabschnitten, Weinbergen und Olivenhainen als Sonneninsel Griechenlands bezeichnet wird. Bei Temperaturen um 15 Grad und Sonne pur erreichen wir nach der beeindruckenden Überfahrt den Hafen von Kusadasi in der Türkei. Auch hier benötigen wir wieder Geld in türkischer Währung der türkischen Lira, bevor wir unsere Wanderung entlang der Küste vorbei an wunderschön bewaldeten Felsküsten mit einsamen kleinen Buchten und dem türkisblauen Meer fortsetzten. In der Küstenstadt Marmaris, die in einer geschützten Bucht liegt, der als natürlicher Hafen fungiert, machen wir eine ausgiebige Pause am wunderschönen feinen Kiesstrand. Dem feinen Duft von gebratenem Fisch, gegrillten Hähnchenstücken am Spieß und vielen anderen Leckereien lässt uns keine Ruhe und so probieren wir uns durch die türkischen Spezialitäten, die in Strandnähe verkauft werden. Auch türkisches Eis gehört dazu, allerdings nicht ohne eine entsprechende Showeinlage des Eisverkäufers. Wir verlassen den Strand und wandern durchs Landesinnere weiter bis Antalya, eine der größten und schönsten auf einem Felsplateau über dem Meer liegenden Küstenstädte der Türkei. Während man im Taurusgebirge noch mit Skiern unterwegs ist, kann man in Antalya bereits am Strand relaxen und besonders mutige schwimmen auch schon im azurblauen Meer. Auf unserem weiteren Weg die Küste entlang können wir schemenhaft die Insel Zypern erkennen und erreichen schließlich Mersin, einen weniger überlaufener Küstenort mit langem Strand, der den Abschluss dieser Etappe bildet.

Reisebericht 5. Etappe 993 km (gesamt 4.329 km)

Einen Katzensprung von Mersin entfernt, gerade einmal 66 Kilometer, erreichen wir bereits die nächste türkische Millionenstadt. Um von einem Ende der Stadt zum anderen zu gelangen, müssen wir den Seyhan Fluss überqueren, der die Adana in zwei Teile teilt. Heutzutage können wir uns aussuchen welche Brücke wir nehmen möchten, zu Gründungszeiten von Adana war die unter Kaiser Hadrian erbaute Steinbrücke der einzige Weg auf die andere Stadtseite. Sie gilt heute als eine der zwei ältesten noch genutzten Brücken der Welt und natürlich wählen auch wir diesen historischen Pfad.

Nach einer anstrengenden Überquerung des Amanus Gebirges und der Grenzüberquerung nach Syrien durchqueren wir den kleinen Teil Syriens, der landwirtschaftlich nutzbar ist, bevor wir weit durch die Wüste ziehen. Tagelang nichts als Wüste, Olivenhaine und Feigenbäume. Die wenigen kleinen kleine Städte, eher Siedlungen, bieten die einzige Abwechslung. Jede noch so kleine Fläche versucht man der Wüste zu entziehen und landwirtschaftlich zu nutzen.

Bald erreichen wir diealtägyptische Stadt Aleppo, wo wir uns als erstes das Wartzeichen der Stadt,die mittelalterliche Zitadelle mit dem Tempel des Wettergottes von Aleppoanschauen, dann allerdings zügig in Richtung des Assad Sees weiterwandern.

Die wenigen Tage durch reine Wüste haben uns gereicht, weshalb wir uns entschließen unsere Route entlang des fruchtbaren Flusses, dem Euphrat, fortzusetzen, der tatsächlich so exakt auf unserer Route liegt, dass wir ihm knapp 800 Kilometer bis kurz vor Bagdad folgen können, 400 km davon noch in Syrien, die restlichen 400 km im Irak.

Entlang des Flusses mitseinem kostbaren Süßwasser wird die Wüstenlandschaft für den Anbau vonBaumwolle und Getreide nutzbar und bietet normalerweise ein schönes grünes Bild.Allerdings müssen wir ein paar Abstriche machen, da wir uns mitten in derTrockenzeit, die von Dezember bis März andauert, befinden. Zurzeit führt derFluss an manchen Stellen gerade einmal 60 Zentimeter Wasser und ist somit sogarfür die zahlreichen Flöße, die sich auf dem wenigen vorhandenen Wasser tummeln,nur schwierig schiffbar.

Leider schaffen wir es diese Woche auf Grund der klimatischen Gegebenheiten nicht bis Bagdad und müssen daher circa 150 Kilometer vor Bagdad in der kleinen Oasenstadt Hit direkt am Euphrat unsere Etappe beenden.

Reisebericht Etappe 932 km (gesamt 5.261 km)

Nach dem ungewohntenAbenteuer der Oasenübernachtung geht die Wanderung weiter bis Bagdad, derirakischen Hauptstadt. Auf der westlichen Seite des Tigris befindet sich dasmoderne Stadtzentrum, Karch, dass durch mehrere Brücken mit dem historischenStadtzentrum Rusafah verbunden ist.

Während im Karch hoheWohngebäude, die meisten Ministerien und der Hauptbahnhof zu finden sind, befindensich in Rusafah die bekannten Moscheen, Grabstätten und drei der sechsirakischen Universitäten.

Eine kleine Rast, dann führtuns der Weg entlang der antiken Ruinen Babylon und Kis bis zur Stadt Dewanyha,die als fruchtbarste Gegend in Irak gilt, weil das gesamte Umland vom Euphratbewässert wird. Feuchtgebiete, Ackerland und Halbwüsten wechseln sich ab undbilden gute Bedingungen für eine große Vogelartenvielfalt. Nach den tagelangenkargen Wüstenlandschaften empfinden wir das üppige Grün, die Farben undVogelstimmen wie ein kleines Wunder und wollen uns gar nicht so recht von hiertrennen. Trotzdem müssen wir weiter und bestaunen nur wenige km entfernt inSamawa die größte Wasseraufbereitungsanlage im Irak. Ansonsten hat die Stadtallerdings nicht viel zu bieten, weshalb wir unseren Weg schnell wiederfortsetzen.

Die Stadt Basra, die einsteine Prachtstadt war und sich im Laufe der Jahre zu der dreckigsten undkriminellsten Stadt des Iraks entwickelt hat, lassen wir links liegen undwandern weiter über Kuwait Stadt, die in Vorderasien auf der ArabischenHalbinsel eingerahmt vom Irak, Saudi-Arabien und dem Persischen Golf liegt.

Auch hier halten wir uns nicht lange auf; vielmehr beeilen wir uns, um nach Khfji beach zu gelangen, wo wir unsere Etappe in einem super Hotel direkt am Strand beenden, unseren müden Füssen die verdiente Pause gönnen, uns entspannen und mal richtig verwöhnen lassen.

Reisebericht Etappe 480 km (gesamt 5.741 km)

Wir nutzen die kühlenMorgenstunden um unseren Weg fortzusetzten, der größtenteils entlang demHighway durch Wüstengebiete führt und freuen uns, dass wir nach einer gefühltenEwigkeit wieder das Meer und Vegetation sehen. Die Stadt Dammam, war einst einkleines Fischerdorf und hat sich mittlerweile wegen des Erdölvorkommens zueinem der größten Städte Saudi Arabiens entwickelt.

Neben Industrie bietet dieStadt eine 11 km lange Grünzone, das Hang-Ufer, das bis zu den Tarot-Inseln zumFlanieren einlädt. Für uns noch viel interessanter ist der riesige Basar, mitseinen verschiedenen Gerüchen und Geräuschen.

Nach dem langen Weg durch dieWüste geht’s weiter über den 25 km langen King Fahd Causeway, eine kombinierteBrücken- und Dammverbindung zwischen Saudi-Arabien und Bahrain bis zur modernenund lebendigen Metropole Manama, der Hauptstadt des Königreichs Bahrain.

Während die Altstadt miteinem Gewirr aus Gassen und traditionellen Handelsgeschäften anmutet, fühlt mansich nur wenige Meter weiter im Finanzdistrikt, mit einer Skyline ausWolkenkratzern wie in einer anderen Welt. Hier muss jetzt eine kleine Änderungher, denn der Landweg, den wir eigentlich nehmen wollen, ist nicht begehbar.Eine Fährverbindung gibt es ebenfalls nicht, so dass wir uns auf die Suche nacheinem Boot begeben, um unsere Reise doch noch fortzusetzen.

Nach mehreren Versuchen, mitHänden und Füssen verständigend, finden wir endlich einen Fischer, der uns die30 km lange Strecke nach Ar Ruwais schippert. Obwohl das Wetter gut und die Seeruhig ist, fühlen wir uns auf dem Boot wie in einer Nussschale und sind froh,als wir endlich das sichere Ufer erreichen. 

Ar Ruwais ist eine Kleinstadtin Katar, die 1 m über dem Meeresspiegel liegt, mit Industrie, Grünanlagen undschönen Stränden. Das Wahrzeichen der Stadt sind drei blaue, pilzförmige 30 mhohe Wasserspeicher, ansonsten hat das Städtchen nicht viel zu bieten, weshalbwir uns zur ehemals dünn besiedelten Stadt der Perlentaucher nach Doha begeben.

Mittlerweile gibt es keine Perlentaucher mehr und aus der Stadt ist eine Metropole geworden. Mitten durch den Basar, der Souq Waqif führt unser Weg. Es duftet nach Rosen, Tee, Koriander und Kardamon, obwohl es bereits Abend ist. Verkauft wird alles, von ganz normalen Alltagsgegenständen über Gewürze, Bekleidung bis zu teuren Araber-Pferden. Überall hört man das Stimmengewirr der Händler und in kleinen schummrigen Ladenlokalen gibt es so manche Überraschung. Hier in Doha beginnt das Leben wegen den hohen Temperaturen, die uns auch ganz schön zu schaffen machen, erst am Abend. Die Stadt, die Promenade mit den palmengesäumten Grünstreifen und Wasserspielen und die beleuchtete Skyline ist eine Welt für sich, die wir noch ein wenig länger genießen können, weil unsere Etappe hier erst einmal endet.

Reisebericht 8.  Etappe 1.097 km (gesamt 6.838 km)

Als wir im Hotel nach einer geeigneten Wanderroute nach Abu Dhabi fragen, stoßen wir auf völliges Unverständnis. Man fliegt oder fährt mit dem Schnellzug. Zu Fuß geht es nur entlang der einzigen Autostraße weiter. Wir haben also keine Wahl. Mit Sack und Pack machen wir uns entlang der Autostraße auf den Weg. Zum Glück ist die Straße nicht sonderlich stark befahren, so dass wir recht zügig vorankommen. Urlaubsfeeling ist dabei allerdings Fehlanzeige. Umso mehr freuen wir uns als endlich die Stadt Abu Dhabi in weiter Ferne vor uns sichtbar wird. 

Obwohl wir eigentlich schon genug Sand auf dem Weg hatten, genießen wir doch die wunderschön angelegte Promenade entlang des arabischen Golfs, die sogenannte „Corniche“, die uns mit ihrem feinen weißen Sand und dem kristallklaren Wasser zum Baden einlädt mit Blick auf die beeindruckende Skyline von Abu Dhabi. Die vielen Sehenswürdigkeiten von Abu Dhabi sind ziemlich weit verteilt, so dass wir uns für den offenen Bus entscheiden, der allein schon Abenteuercharakter bietet. Einiges sehen wir uns nur vom Bus aus an, aber die große Mosche und die Heritage Village, in der man die Traditionen der Beduinen erkunden kann, müssen wir selbst in Augenschein nehmen.

Und ein abendlicher Bummelüber die Märkte und den Corniche lassen wir uns auch nicht entgehen.

Als nächstes steht das bevölkerungsreichsteEmirat der Vereinigten Arabischen Emirate auf unserem Programm. Während dieoffizielle Sprache Arabisch ist, ist Englisch als Alltagssprache sehr weitverbreitet, was das Leben in dieser ausgeprägt multikulturellen Gesellschaftund unseres deutlich erleichtert.

Dubai ist besonders bekannt durch seine ehrgeizigen Bauprojekte, die sich in Form und Höhe überbieten, hier vor allem das Wahrzeichen der Stadt, der 321 m hohe Burj al Arab in Form eines Segels, mit „sieben Sternen“, eines der luxuriösesten Hotels der Welt. Vor der Küste der Stadt werden immer weitere große künstliche Inseln für Luxusvillen und Yachthäfen aufgeschüttet.

Mittelpunkt des Stadtzentrumsist Downtown Dubai mit der Dubai Mall, einem der größten Einkaufszentren derWelt. Während dieser Luxus viele Touristen aus der ganzen Welt anlockt, fühlenwir uns hier etwas fehl am Platz und so fällt uns der Abschied nicht so schwer.

Morgens um 6 Uhr starten wir, um die kühleren Morgen- und Abendstunden fürs Wandern zu nutzen. Die Mittagsstunden verbringen wir, wenn möglich, im Schatten unter Bäumen oder am Strand. Doch heute ist uns wenig Schatten vergönnt, während wir mühsam die Höhen des Hadschar-Gebirges erklimmen. Viel zu kleine Wolken verdecken nur selten die warme Sonne. Erschöpft und durstig erreichen wir schließlich Omans moderne Hauptstadt „Maskat, die in einer Bucht, eingerahmt vom Hadschar-Gebirge liegt. Ein paar Schritte in den Stadtkern und wir sind begeistert. Eine Stadt mit einem Mix aus Tradition und Moderne. Während das mediterrane Erscheinungsbild überwiegt, liegt noch ein Hauch von Orient in der Luft.

Die Sehenswürdigkeiten verschieben wir auf den nächsten Tag.

Moderne Bauten und abwechslungsreiche Architektur bieten sanfte Kontraste zu Palastbauten, Moscheen und Wohngebieten, deren Häuser weiß erstrahlen­; umgeben von schroffen Felsen, Meer und Sand. Besonders begeistert sind wir vom Hafen im Zentrum, der durch das Hafentor direkt an die reizvolle Corniche von Maskat führt und in Alt-Maskat endet. Unterwegs bestaunen wir Sehenswürdigkeiten, wie das Mutrah Fort, die Spähkugel und einige Moscheen.

Während die einen in einem kleinen Cafe verweilen und entspannen, fangen andere das orientalische Marktflair auf dem Souk in Muttrah ein.

Etappe 780 km (gesamt 7.618 km)

Fährverbindungen nach Indien gibt es leider nicht und so müssen wir ein Schiff buchen, dass uns sicher über das arabische Meer nach Mumbai schippert. Wir haben Glück; das Schiff ist schnell gebucht, die Sonne meint es gut mit uns und versteckt sich immer mal wieder hinter kleinen Wolken, dazu eine leichte Brise. So lässt sich die Überfahrt genießen.

Doch Ruhe und Entspannung ist mit der Ankunft in Mumbai, der 5. größten Stadt Indiens vorbei. Hier ist das Leben in vollem Gange und die vielen Eindrücke drohen uns fast zu erschlagen.

Mumbai ist unglaublichlebendig und unglaublich gegensätzlich. Während in einem Teil der Stadt altekoloniale Gebäude, Tempel, schöne Strandpromenaden, Bars, Cafes, einorientalischer Markt und drei große Seen, zwei davon im Sanjay GandhiNationalpark gelegen, zum Verweilen einladen, zeigt ein anderer Teil der Stadt einganz anderes Gesicht, die Slums. Dreck, Gestank, Abwasser in den Straßen, Armutund Kinder, die betteln oder abgemagert auf Müllhalden spielen, soweit das Augereicht.

Am liebsten wollen wir weglaufen und dieses Elend nicht sehen, doch die traurigen Kinderaugen bleiben uns auch auf unserer weiteren Reise noch lange in Erinnerung.

Unsere Reiseroute führt uns weg vom Meer, quer durch Indien und die Temperatur steigt bis knapp an die 40 Grad. Da kommt uns die Kühle in den Höhlen- und Felsentempeln von Ellora gerade recht. Der Komplex aus 34 buddhistischen, hinduistischen und jainistischen Höhlentempeln zählt sei 1983 zum Weltkulturerbe und ist ein touristischer Magnet. Im weiteren Verlauf unserer Reise spielt die Landwirtschaft eine immer größere Rolle, was unschwer an den riesigen landwirtschaftlichen Flächen erkennbar ist. Die Bevölkerung der Kleinstadt Amaravati, die auf unserem Weg liegt, lebt überwiegend von der Landwirtschaft und vom alten Handwerk.

Schon weit vor der Stadt Nagpur, die im geografischen Mittel Indiens liegt, wandern wir vorbei an Citrusplantagen, soweit das Auge reicht. Nicht nur die meisten, sondern auch die süßesten Orangen sollen hier wachsen, was wir natürlich direkt einem Test unterziehen müssen. Wir können nur bestätigen: dieser Ort hat den Namen „Orange City“ verdient.

Eine der Sehenswürdigkeiten der Stadt ist Deekshabhoomi, die größte hohle buddhistische Stulpa der Welt. Wir sind froh, dass wir nicht zum Pilgerfest am 14. Oktober hier sind, denn dann strömen tausende Pilger in diese Stadt.

Mit der Ankunft in Napur haben wir unser Etappenziel erreicht, genießen die Wanderpause und nutzen die Zeit, uns im Tigerreservat Tadoba-Andhari und dem Umred Karhandla Wildlife Sanctuary, die in der Freiheit der Nationalparks lebenden wilden Tiere bei einer Art Safaritour zu beobachten.

10. Etappe 1.095 km (gesamt 8.713 km)

Die meisten von uns würden gerne noch bleiben, um auch noch die Tiere zu beobachten, die sich bei der Safari gut versteckt hielten. Es ist kaum zu glauben, dass aus den wuscheligen, herumtollenden Fellknäulen schon bald große Raubkatzen werden, die hier in den Nationalparks Indiens ein recht freies und sicheres und Leben führen können.

Der weitere Weg führt uns überwiegend durch landwirtschaftliche Flächen über den Fluss Weinganga nach Raipur, der sogenannten „Reisschüssel Indiens“. Hunderte Reissorten wachsen in Raipur und Umgebung. Die zentrale Lage des Ortes ist ein idealer Handelspunkt.

Die Tempel und Seen, der Mahanadi Fluss im Osten und die dichten Wälder im Süden geben dem Ort einen ganz besonderen Charme. Bei subtropischen Temperaturen um die 40 Grad freuen wir uns auf eine Rast am Burha Talab See, dem größten See der Stadt, dessen Wasser durch Spiegelungen märchenhaft schimmert. Vorbei geht’s an dem mehr als 500 Jahre alten Dudhadharie Tempel, der mit kunstvollen Schnitzereien der Gottheit Rama gewidmet ist, Richtung Kalkutta. Zuerst ist das Gelände noch überwiegend flach, doch schon bald wird es auch auf unserer Strecke etwas bergiger. Gut versteckt in den Bergrücken liegt das größte Trinkwasserreservat des Distrikts, der Hirahud Stausee.

Nach einer endloserscheinenden Wanderung kommen wir endlich in Kalkutta (Kolkata) an, einerStadt, deren Stadtviertel unterschiedlicher nicht sein können.

Das Stadtzentrum beherrschen zwei- bis dreigeschossige Gebäude mit Flachdächern (Pucca-Häuser) aus Ziegel, Metall, Stein und Beton. In den moderneren Etagenwohnungen aus Beton mit Veranda wohnt die Oberschicht Kalkuttas. Im angrenzenden Stadtteil reihen sich die Hochhäuser dicht aneinander und am Stadtrand stehen Hütten aus Gras, Blättern, Bambus, Lehm, Holz oder Erde (Kutcha-Hütten), die Slums, in denen 1/3 der Bewohner leben. 

Der Großteil der Einwohner Kalkuttas sind Hindus. Obwohl die Stadt mittlerweile zu einer Industriestadt geworden ist, können nur ca. 84% der Männer und 67% der Frauen lesen und schreiben.

Bevor wir die Etappe beenden, müssen wir noch das berühmteste Markenzeichen Kaluttas, die „Haora-Brücke“, die mit einer Spanne von 457,5 m die längste und verkehrsreichste Fachwerkbrücke der Welt ist und der Stolz Kalkuttas, das „Victoria Memorial“ aus weißem Marmor mit seinen formal gestalteten Gärten und Wasserläufen besichtigen.

Am besten gefällt uns, neben dem „Maidan Park“, der weltweit größten Städtischen Parkanlage der Botansiche Garten am Westufer des Hugli. Die buntesten Vögel, Kraniche und Störche leben hier in diesem Park, in dem Palmen, Orchideen und Farne wachsen, kleine Seen und Teiche mit Fußgängerbrücken und idyllischen Sitzgelegenheiten zum Verweilen einladen. Als wir uns dem  weltweit größten Banyanbaum nähern, erfasst uns ehrfürchtiges Staunen. Der 24,50 m hohe Baum hat einen Umfang von 420 m. 1825 Luftwurzeln hängen vom oberen Gezweig herab und verwandeln das ganze Gebiet in eine Art mystischen Zauberwald.  

Reisebericht 11. Etappe 697 km (gesamt 9.410 km)

Wir genießen am Abend die etwas kühleren Temperaturen von ca. 28 Grad, als es plötzlich anfängt zu regnen, ein durchgängiger Dauerregen, bei dem wir in nur zwei Minuten nass bis auf die Haut sind. Genauso schnell wie der Regen gekommen ist, hört er wieder auf. Das, so erzählen die Einheimischen, sind die ersten zahmen Vorboten der Regenzeit, die meist ab Ende Mai einsetzt und die Gegend oft wochenlang unter Wasser setzt. Das können und wollen wir uns gar nicht vorstellen und schon gar nicht erleben. Bei Sonnenaufgang setzten wir unseren Marsch fort. Bis Jessore ist unser Weg gesäumt von landwirtschaftlichen Flächen, ab und zu unterbrochen von hohen Palmen, die den Weg säumen. Im kleinen Park „Jess Garden“ mitten in der Stadt legen wir eine Verschnaufpause ein und stärken uns mit bengalischen Gerichten, die hauptsächlich aus Reis und mit vielen Gewürzen versehenen gegrillten Hülsenfrüchten bestehen.

Unsere Bemühungen, die Regeln der Einheimischen Bevölkerung zu befolgen und nur die rechte Hand beim Essen zu benutzen, sind häufig von Misserfolg gekrönt und tragen zur allgemeinen Erheiterung bei.

Vor der Stadt Faridpur schauen wir uns noch die muslimische Mission Moque an, die schlossähnlich in einem Park gelegen ist. Wenige Kilometer weiter überqueren wir das Padma, der wichtigste Hauptarm des Ganges. Das Bett des Padma ist sehr breit und der Fluss in mehrere Kanäle aufgeteilt, die zwischen den sich ständig verändernden Sandbänken und Inseln fließen.

Wir stehen am Ufer und staunen über die Fülle an Dampfern und Booten aller Größen, die den Fluss in ein buntes Durcheinander verwandeln. Der träge Eindruck, den der Fluss heute vermittelt, ist trügerisch, denn während der Regenzeit soll die Strömung des Flusses so stark sein, dass selbst große Dampfer Schwierigkeiten haben dagegen anzufahren.

Die Strecke bis zur Hauptstadt Dhaka zieht sich unendlich; durch die schwüle Luft klebt die Kleidung am Körper und das Laufen ist arg anstrengend. Dhakata, mit seiner außergewöhnlichen Bevölkerungsdichte liegt im Herzen der größten Jute-Anbauregion der Welt. Obwohl Dhakata durch gute Infrastruktur und die sehr junge Bevölkerung eine aufstrebende Stadt ist, machen doch die Naturgewalten viele hart erkämpfte Erfolge wieder zunichte. Jährlich tobt hier der Monsun und das Land wird von schweren Überschwemmungen heimgesucht. Die Überschwemmungen treffen auch hier besonders die Ärmsten, die in notdürftig zusammengezimmerten Baracken, den Elendsvierteln leben. Zu jeder Zeit sauberes Trinkwasser zur Verfügung zu haben, ist eines der großen Probleme in ganz Bangladesch.

Auf dem Weg ins Meghna-Delta bleiben die landwirtschaftliche Struktur und verschiedene Flussarme unsere Begleiter. Meghna ist der gemeinsame Name zweier Flussabschnitte im System der großen Ströme Bengalens zu dem auch Brahmaputra und Ganges gehören und im Indischen Ozean münden.

Während wir uns nicht vorstellen können, in Überschwemmungsgebieten zu leben, haben sich die Einwohner in vielen Bereichen mit den Verhältnissen arrangiert. Weil das Wasser acht Monate im Jahr hüfthoch auf vielen Feldern steht, werden die Pflanzen in kleine Kompostballen gesteckt, die leicht genug sind, auf dem Wasser zu treiben. Die Pflanzen holen sich die Nährstoffe direkt aus dem Wasser und enthalten deutlich mehr Vitamine als Pflanzen auf trockenen Feldern erzählten uns die Bauern. Auf diese Weise wachsen hier Kürbisse, Spinat, Okra, Tomaten und Ingwer. Für unsere Augen sieht es merkwürdig aus, wenn die Bauern mit kleinen Booten durch die Felder paddeln, um zu pflanzen, pflegen und zu ernten.

Anders sieht es im hügeligen Stadtgebiet von Chittagong aus, dessen höchste Erhebung, das Batali Hill, auf 85 Metern liegt. Im südlichen Stadtteil liegt der Patenga-Strand, ein Sandstrand, der als Touristenanziehungspunkt für seine spektakulären Sonnenuntergänge bekannt ist. Auch wir können einen solchen außergewöhnlichen Sonnenuntergang bestaunen und auf Fotos verewigen.

Für den Vergnügungspark und den Zoo Chittagong, am Foys See bleibt uns leider keine Zeit, da wir noch knapp 130 km zurücklegen müssen, um in Cox`s Bazar die Überfahrt nach Myanmar (früher Birma) anzutreten. Da wir ein wenig schneller als geplant unser Ziel erreichen, bleibt noch etwas Zeit, die wir nutzen, um am längsten Sandstrand zu baden, den kleinen Nationalpark oder den Dulhazra Safari Park zu besuchen oder einfach nur um gemütlich zu entspannen.

Reisebericht 12. Etappe 1.186 km (gesamt 10.596 km)

Ursprünglich hatten wir geplant, die Strecke bis Tandwe in Myanmar überwiegend zu wandern und nur eine kurze Strecke zwischen den Meeresbuchten per Schiff zurückzulegen, was leider nicht möglich ist, da ab Donbaik kein Wegenetz mehr existiert. Dass unser Landweg schon in Cox´s Bazar endet, weil alle Straßen in Richtung Myanmar abgeriegelt sind, finden wir merkwürdig. Auf unsere Fragen erklären uns die Einheimischen, dass auf den Hügeln oberhalb des Ortes der Wald abgeholzt wurde, um riesige Flüchtlingslager zu bauen, in denen Tausende von Rohingya, eine ethnische Minderheit, die 2017 aus Myanmar geflüchtet sind, leben. Um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern, ist das ganze Gebiet abgeriegelt.

Uns bleibt keine andere Wahl, als wieder auf den Seeweg zurückzugreifen und die Küstenlandschaft vom Golf von Bengalen aus zu bestaunen. Etwas mulmig ist uns schon bei dem Gedanken, dass wir durch ein Land wandern müssen, das seit 1962 nach einem Staatsstreich von einer Militärdiktatur regiert wird. Dass die Junta (Regierung) als brutal und rücksichtslos gegenüber Minderheiten gilt, aber für uns als Deutsche ungefährlich sei, macht das Ganze nicht viel besser.

Die wunderschöne Landschaft, die wir schon vom Schiff aus bestaunt haben, umgibt auch die kleine Hafenstadt Thandwe, in der wir von Bord gehen. Flankiert von den Arakan-Bergen die bis zur Küste reichen, dem malerisch gelegenen berühmten Ngapali-Strand und der typischen Geschäftigkeit eines Seehafens machen auf uns einen sehr westlichen Eindruck, der sich auch auf unserem weiteren Weg nach Rangung bestätigt. Die erste Strecke führt an der idyllischen Küste entlang, bevor wir dann quer durchs Land bergan und bergab wandern. Nach der Ruhe beim Wandern empfinden wir die Stadt Rangun, mit ihrem Hafen, dem großen Marktviertel und dem geschäftigen Treiben als sehr lebhaft, ja fast schon unruhig. Während die Stadt mit ihrem großen Baubestand aus der Kolonialzeit, den drei berühmten buddhistischen Reliquienbauten (Botataung-Pagode, Sule-Pagode und Shwedagon-Pagode) eher altmodisch anmutet, bildet die überwiegend westliche Kleidung der jungen Menschen einen krassen Gegensatz dazu. Die knapp 100 m hohe Shwedagon-Pagode auf dem Hügel Pegu-Joma ist fast von jedem Punkt der Stadt aus sehen. Dieses prunkvollste Wahrzeichen ist die bekannteste Pilgerstätte in Myanmar und zieht jedes Jahr hunderte Buddhisten aus der ganzen Welt an. Während wir noch überlegen, was wir als erstes besichtigen wollen, nimmt uns ein plötzlich einsetzender Regenschutt die Entscheidung ab und wir flüchten in die berühmten Markthallen „Bogyoke Aung San Market“. Bei mehr als 200 verschiedenen Läden und einer offenen Garküche, mit sehr gutem Essen für alle Geschmacksrichtungen, sind wir eine Zeitlang beschäftigt. Als wir den Markt verlassen, hat die Sonne die Regenwolken bereits wieder vertrieben und nur die nassen, dampfenden Straßen und die extrem hohe Luftfeuchtigkeit, bei Temperaturen um 33 Grad, die uns das Atmen erschwert, zeugen von dem kurzen Intermezzo. Weiter geht es durch Tayoke Tan, das sog. Chinatown, über den Kandawgyi See (ein künstlich angelegter großer See mit Park und einem nachgebildeten burmesischen Königsschiff) Richtung Thailand.

Auf etwa der Hälfte der Strecke bis zur Grenze erreichen wir die Stadt Mawlamqaing, die in einem Flussdelta liegt und im Westen und Osten von Hügeln flankiert wird, auf denen alte Pagoden stehen.

Auch diese Stadt erscheint uns eher westlich geprägt und unsere unterschwellige Angst vor ständiger Beobachtung und Kontrollen hat sich bisher nicht bestätigt.

Bald verlassen wir das Land und überqueren die Grenze nach Thailand. Etwa 200 km südöstlich von Bangkok erreichen wir den Nationalpark Khao Laem, dessen Hügel dicht bewaldet sind und nach Westen in geschwungene, sandige Strände übergehen.

Weit interessanter finden wir den Sai Yok Nationalpark, dessen Gebiet zum Großteil mit Teakholzbäumen bedeckt ist und nur zu 3 % aus tropischem Urwald besteht. Die Hauptattraktion ist der Sai Yok Yai Wasserfall, der sich durch seine atemberaubende Schönheit, trotz nur 10 m Fallhöhe, auszeichnet. Aufgrund der verschiedenen Begebenheiten im Park haben sich hier viele verschiedene Tierarten angesiedelt. So kann man auf Sabar-Hirsche, Bengalkatzen, Rebhühner sogar auf Schwarzbären und Tiger treffen. Letztere halten sich jedoch meist von den Wanderrouten der Besucher fern. Richtung burmesischer Grenze soll es sogar wilde Elefanten geben – aber ihnen läuft man nur in wahren Glücksfällen über den Weg. Solch ein Glück haben wir leider nicht. Schade! Dafür entdecken wir in den Gewässern Riesenkrabben, die uns durch ihre leuchtenden Farben (weiß, blau und rot) in Staunen versetzten. An einem Tag wie heute wünschen wir uns, dass wir einfach noch viel länger an diesem Ort bleiben könnten, um all die Schönheiten und Sehenswürdigkeiten zu genießen. Trotzdem müssen wir jetzt weiter, denn es gibt noch so viel zu sehen auf unserer weiteren Reise, wie z.B. das Kontrastprogramm, die thailändische Hauptstadt Bangkok, mit ihren kulturellen Highligts, historischen Bauwerken, dem Freizeitangebot sowie der lauten Geschäftigkeit, der Hitze und dem hervorragenden Angebot an Streetfood, deren Verkostung wir uns bei unserer Ankunft nicht entgehen lassen.

Mit dem Wissen unser Etappenziel erreicht zu haben, können wir jetzt ganz entspannt den Abend genießen und unseren müden Knochen ein wenig Erholung gönnen.

Reisebericht 13. Etappe  km (gesamt 11.353 km)

Wir wählen die Route, die uns durch die Hauptstadt Bangkok entlang des Chao Phraya Flusses führt. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts hat dieser Fluss ein dichtes Netz an Kanälen (Khlongs) bewässert, weshalb Bangkok auch „Venedig des Ostens“ genannt wurde. Die meisten Khlongs wurden ab Mitte 19. Jahrhundert zugeschüttet, um Raum für Häuser und Straßen zu schaffen, womit der wirtschaftliche Aufschwung begann.

Trotz der neuen Moderne hat Thailand seine ganz eigenen Rituale. So müssen auch wir, als um Punkt 8.00 Uhr die Nationalhymne erklingt, unsere Besichtigung unterbrechen und reglos der Hymne lauschen.

Anschließend geht es die nächsten 70 km durch landwirtschaftliche Flächen nach Samut Songkhram, einem Ort, der einen Großteil seiner Ursprünglichkeit mit seinen vielen Kanälen und dem Highlight, dem schwimmenden Markt behalten hat. Auch für uns ist dieser schwimmende Markt der absolute Anziehungspunkt, gibt es doch hier, neben köstlichen Snacks auch das ein oder andere Mitbringsel, oder Ersatz für die kaputt gelaufenen Schuhe zu kaufen. Entlang der Küste sind künstliche Seen angelegt, die der Salzgewinnung dienen.

Auf unserem weiteren Weg wundern wir uns immer wieder über Bäume, die mit bunten Bändern umwickelt sind und die kleinen kunstvoll verzierten Häuschen auf Holzpfosten (in der Größe unserer Vogelhäuschen), die in teils verwilderten Gärten oder auf Baugrundstücken stehen. Die Auflösung hierfür erhalten wir am Abend, als wir in Hua Hin, dem ältesten Seebad Thailands ankommen. So erzählt man uns nach mehrfacher Verbeugung, dass in den Bäumen Geister wohnen. Je mehr Bänder um den Stamm gewickelt sind, umso mächtiger ist der Geist. Für unsere ungläubigen Blicke, entschuldigt sich unser Guide gleich mit weiteren Verbeugungen bei den Geistern. Die hübschen Häuschen werden auch von Geistern bewohnt, so der Guide. In Thailand baut man Geisterhäuschen auf, wenn man ein neues Haus bauen will. Diese Geisterhäuschen sollen den Erdgeistern (PraPhum) ein neues Zuhause geben, als Alternative und Ersatz für das verwendete Grundstück. Auch wenn uns diese Brauchtümer etwas seltsam erscheinen, so interessant ist es auch, weil wir das Gefühl haben, dass unser Guide während der Geistererzählungen von einer ganz eigenen Aura umgeben wird. 

Direkt in der Nachbarschaft liegt der Ferienort Cha-am, der durch seine langen Strände und den Nachtmarkt bekannt ist. Die tagsüber stark befahrene Durchgangsstraße wird nachts für den Autoverkehr gesperrt und zum Markt umfunktioniert. Dieser Markt ist ein populärer abendlicher Treffpunkt für Einheimische und Touristen, die die einfache lokale Küche schätzen, wie wir.

Entlang der Küste wandern wir weiter Richtung der malayischen Grenze, die wir in dieser Etappe aber nicht überqueren. Unsere Etappe endet in Khao Lak, ein paar Kilometer nördlich der Ferieninsel Phuket an der wunderschönen Andamanensee. Khao Lak ist ein idyllischer und ruhiger Ort, der von drei Nationalparks umgeben mit Hügeln und Bergen, die sich bis zu den schier endlosen langen weißen Stränden erstrecken.

Natürlich müssen wir das Phuket Elephant Sanctuary, das einzige Schutzgebiet für ethisch einwandfreie Elefanten, in dem sich die Tiere frei bewegen, baden und sozialisieren können, besuchen und sind beeindruckt.

Auch der Nationalpark KhaoPhraTeaw ist ein Besuch wert mit dem Tonsai-Wasserfall, den übergroßen Bäumen und Pflanzen, sowie der artenreichen Tierwelt, wie fliegende Lemuren, Langur und Gibbons. Zum Abschluss genehmigen die ganz Mutigen sich eine Dusche unter dem riesigen Wasserfall. Das kühle Nass ist bei Temperaturen über 30 Grad wirklich traumhaft.

Mit diesen tollen Eindrücken, angenehmen Abendtemperaturen und einem Sternenhimmel vom Feinsten lassen wir ganz entspannt den Tag ausklingen.

Reisebericht 14. Etappe 1.297 km (gesamt 12.650 km)

Schon bald verlassen wir dasLand des Lächelns und überqueren die Grenze nach Malaysia. Landschaftlich gibtes kaum Unterschiede, die Temperaturen von durchschnittlich 33 Grad und diehohe Luftfeuchtigkeit sind ebenfalls unverändert. Anders sind die Menschen unddie Gerüche, was uns in George Town, einer der wichtigsten Hafenstädte Malaysiasbesonders auffällt.

Trotz vieler verschiedener Kulturen und ethnischer Unterschiede sind die Malayen bekannt für ihre natürliche Fröhlichkeit und Gastfreundschaft, was wir nur bestätigen können.

Die Gerüche, die überall in der Luft liegen, sind genauso himmlisch, wie die Malayische Küche. Nur die rechte Hand beim Essen zu benutzen ist mittlerweile auch kein Problem mehr für uns. Gut gestärkt führt uns der Weg weiter bis in die Hauptstadt nach Kuala Lumpur.

Architektonisch alte Gebäude gemischt mit Hochhäusern als Zeichen des Fortschritts, prägen mittlerweile das Stadtbild. Neben den Petronas Towers, den höchsten Zwillingstürmen der Welt, ragt auch der Menara Kuala Lumpur, der siebthöchste Fernsehturm der Welt weit sichtbar in den Himmel. Idylle und Natur finden wir im Lake Garden mit dem Schmetterlings-, dem Orchideenareal und einem großen Vogelpark, bevor wir die nächste Grenzüberschreitung nach Singapur in Angriff nehmen.

Mit Singapur betreten wir das kleinste eigenständige Land unserer bisherigen Reise. Der Inselstaat besteht im Grunde nur aus der gleichnamigen Stadt Singapur, übersetzt Löwenstadt und umfasst in seiner gesamten Größe gerade einmal die Fläche Hamburgs, bietet dabei aber circa viermal so vielen Menschen ein zu Hause. Für uns ist es ein ungewohntes Gefühl ständig von so vielen Menschen umgeben zu sein, obwohl uns die multikulturelle und multiethnische Kultur Singapurs von Anfang an begeistert. In vielerlei Hinsicht ist Singapur ein Land der Ausnahmen und Extreme. Als Mitglied der vier asiatischen Tigerstaaten, zu denen auch noch Südkorea, China und Taiwan zählen, ist das Land bereits in den frühen 1980er Jahren vom Entwicklungsland zur Industrienation aufgestiegen und ist damit in Asian das reichste Land, das wir durchqueren. Wälder gibt es in Singapur aus Platzgründen nicht. Alles Grün wächst auf Dächern, Balkonen und rankt an den Fassaden. Daneben erscheint uns der sogenannte Nebelwald, in dem mit achtzehn gigantischen künstlichen Bäumen, die mit Brücken verbunden sind und eine subtropische Vegetationszone nachstellen, wie eine andere Welt. Innovativ, zukunftsorientiert und einmalig, so stellt diese Stadt sich dar und zieht damit jährlich circa 19 Millionen Touristen an.

Ein wenig mulmig ist uns schon, als wir uns über die extrem strengen Gesetzt Singapurs informieren.

Aus unserer Sicht Bagatellen, wie das Kauen von Kaugummi, Rauchen oder Essen an Orten an denen es nicht gestattet ist, überqueren der Straße bei Rot, liegenlassen von Müll und sogar lügen, wenn es nachweisbar ist, werden mit horrenden Geldstrafen geahndet. Die Kriminalitätsrate in Singapur ist, wie sollte es anders sein, die niedrigste weltweit.

Die Zeit in Singapur nutzen wir, um die verschiedenen Stadtviertel mit ihren ganz unterschiedlichen Kulturen zu betrachten. So bestaunen wir kleine buddhistische Tempel, eingekeilt zwischen Hochhäusern mit Glasfassaden während auf der gegenüberliegenden Straßenseite das runde Kuppeldach einer Moschee in den Himmel ragt. Hinduistischen und buddhistischen Tempel unterschiedlicher Größe, mit lustig grell bemalten Tierfiguren prägen überall das Stadtbild.

Das indische Viertel erinnert uns an unsere Ankunft in Mumbai vor einigen Wochen. Ein Blick nach oben macht uns aber schnell klar, dass wir Indien schon lange verlassen haben. Hohe Glasfassaden der Wolkenkratzer, die so völlig fehl am Platz wirken, ragen in den Himmel und zeigen uns, dass das Zusammenspiel zwischen Tradition und Moderne hier in Singapur auf beeindruckende Art und Weise, wie nirgends sonst funktioniert.

Einkaufen, nein shoppen wollen wir auch ein bisschen und betreten eine der vielen Shoppingmalls der Stadt. Schon von außen sind wir von den Dimensionen des Gebäudes überrascht, drinnen fehlen uns die Worte, bei den Ausmaßen an Platz und Vielfalt der Geschäfte. Auch nach Stunden schaffen wir nur einen kleinen Teil der Mall in Augenschein zu nehmen und suchen nach dem Prunk und der Moderne ein bisschen Ursprünglichkeit in einem vermeintlich kleinen Markt. Durch eine unscheinbare Ladentür, einem Hintereingang gleich, betreten wir die Markthalle und stehen direkt vor einem Labyrinth von winzigen Wegen und Gassen, durch die sich die Menschen zwischen den mit Waren, Stoffen und Andenken vollgestopften Regalen schlängeln. Es bedarf nur weniger Augenblicke, bis auch wir uns unter die Menschen mischen und beim Stöbern japanische Kimonos, Winkekatzen, rote Porzellan Elefanten an Perlenketten und Unmengen an Dingen, deren Bedeutung oder Nutzen wir auch unter Aufbringung all unserer Fantasie nicht erraten können, entdecken.  

Vollgestopft mit Eindrücken dieser Millionenstadt, die wir versuchen mit Fotos und Filmen festzuhalten und froh nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten zu sein, verlassen wir die Stadt auf der Fähre nach Indonesien mit einem letzten Blick auf den Sky Park, das riesige bootförmige Gebäude, das als Wahrzeichen der Stadt auf drei Hochhäusern thront.

Reisebericht 15. Etappe 736 km (gesamt 13.386 km)

Bei der Überfahrt halten wir uns immer dicht an den zahllosen Inseln, die mit ihren landschaftlichen Gegebenheiten sehr unterschiedlich anmuten. Allerdings sind wir froh, als wir nach endlosen Tagen auf See in der indonesischen Hauptstadt Jakarta wieder festen Boden unter den Füssen haben. Riesige Frachtsegelboote liegen hier, die den sogenannten „Archipel der tausend Inseln“ anfahren. Über die vielen Menschen unterschiedlicher Herkunft, die hier offensichtlich friedlich miteinander leben, wundern wir uns mittlerweile nicht mehr, dafür um so mehr über den Supermarkt direkt am Hafen, der fast nach deutschen Standards sortiert ist. Nach einer Stärkung an einem Straßenverkauf, der Suppen mit kleinen Fleischbällchen und andere Spezialitäten anbietet und vor unseren Augen frisch zubereitet, schauen wir uns „BaDo Gong Miao“, den ältesten chinesischen Tempel an. Den größten Vergnügungspark Südostasiens den „Taman Impian Jaya Ancol“, lassen wir außen vor und widmen uns dem Themenpark „Taman Mini Indonesia Indah“, in dem die Republik Indonesien in Miniformat naturgetreu nachgebaut wurde. Auch der Botanische Garten zieht uns mit seiner Pflanzen- und Tiervielfalt magisch an. Noch eine kleine Pause in dieser Idylle, bevor wir den Weg Richtung Surabaya fortsetzten. Wir sind auf dieser Etappe etwas langsamer unterwegs, weil uns die bergige Gegend, die heißen Temperaturen und hin und wieder ein kurzer, kräftiger Regenschutt zu häufigeren Pausen zwingen. Kaum ist der Regen vorbei, brennt die Sonne erbarmunglos vom Himmel und trocknet die feuchte Natur, so dass wir durch Dunstschwaden wandern, so als befänden wir uns in einem mystischen Wald.

Auch sonst begeistert uns die Landschaft, mit ihren kilometerlangen weißen Sandstränden, den teils felsigen Küstenabschnitten und den Waldgebieten mit den Vulkanbergen im Hintergrund. Kaum ein anderes Land ist derart vom Vulkanismus geprägt wie Indonesien. Das Land liegt am Pazifischen Feuerring, einer der vulkanisch aktivsten Regionen der Welt. Zahlreiche Inseln des Archipels sind vulkanischen Ursprungs. Etwa in der Mitte dieser Etappe erreichen wir die Hafenstadt Semarang die besonders wegen ihrer Tempel und einem Stadtteil, das komplett in Regenbogenfarben gestrichen sein soll, dem sogenannten Rainbow Village, bekannt ist. Das Rainbow Village ist allerdings eine Enttäuschung. Dieses Viertel hat die besten Jahre längst hinter sich. Von den leuchtend bunten Häusern blättert der Putz, Straßen und Plätze sind voller Müll und von Idylle ist keine Rede.

Etwas enttäuscht machen wird uns auf, um die Tempel zu besichtigen und uns am Strand zu entspannen. Doch auch hier zeigt die Stadt unterschiedliche Gesichter; auf der einen Seite saubere aufgeräumte Strandabschnitte im Gegensatz zu Strandabschnitten, auf denen sich der Plastikmüll bis weit ins Wasser türmt. Das gefällt uns nicht und so setzten wir unseren Weg schon recht zügig wieder fort.

Unser Etappenziel ist heute Surabaya, die zweitgrößte Stadt Indonesiens, die auf der Nordspitze der Insel Java, direkt an der Mündung des Flusses Mas liegt. Auch hier bestimmen viele verschiedene Volksgruppen das Bild des alltäglichen Lebens. Dass die indonesische Marine ihre Basis in dieser Stadt hat, spiegelt sich überall wider. Einige Interessierte besichtigen das indonesische U-Boot im Hafen, während der Rest am Strand entspannt. Einen Ausflug per Bus und Jeep auf den Gipfel des Vulkans Broom, um das Phänomen des blauen Feuers zu entschlüsseln und den angeblich spektakulären Sonnenaufgang zu erleben, lässt sich keiner entgehen,auch wenn wir unsere Reise dadurch erst mit einem Tag Verspätung fortsetzen können.

Reisebericht 16. Etappe 727 km (gesamt 14.113 km)

Von unserem ursprünglichen Plan, von Surabaya über den Javasee auf die nächste große Insel, die zur Hälfte zu Indonesien und zur anderen Hälfte zu Papua Neuginea zählt zu wandern, müssen wir leider abweichen, da die Insel kaum bevölkert ist, keine Infrastruktur hat und einen Weg müssten wir uns durch den Dschungel mit Macheten erst freischlagen.                                                                                                           

Alternativ dazu entscheiden wir uns dafür, mit einem kleinen gemieteten Charterboot, den direkten Weg nach Down Under einzuschlagen. Wie zahlreiche Backpacker vor uns, starten wir unsere Australienexpedition in Cairns. In Australien, dem Kontinent, in dem die zehn giftigsten Schlangenarten und die weltweit giftigste Spinne, die australische Trichternetzspinne lebt, erscheint uns das Leben sehr gefährlich. Am und im Wasser erscheint es uns auf den ersten Blick deutlich angenehmer zu sein. Aber Achtung, schon mal was von Freshies und Salties gehört? Sie sind der Grund, warum in Cairns niemand verrückt genug ist, einen „gemütlichen Strandspaziergang“ zu unternehmen. Gemeint sind die Salz- und Süßwasserkrokodile, die in Australien reichlich vorkommen, und jeden noch so kleinen Wassertümpel zur Gefahr machen, denn Krokodile sind trotz ihrer massigen Körper auf kurze Strecken dem Menschen an Geschwindigkeit weit überlegen. Wir nehmen den Rat des Lokals an und halten uns von Wasser im Allgemeinen fern, auch wenn es schwerfällt. Scheinen doch die sanften Wellen die Hitze des Tages erträglich zu machen. Nicht nur die Krokodile, auch die Haie und gefährlichen Quallen flößen uns allerdings einiges an Respekt ein.

Da auch das Meer viele Gefahren birgt, findet man in Cairns, sowie in allen größeren Städten, angelegte Pools oder Meerwasserbecken, die den Einwohnern und uns die Möglichkeit geben, uns trotz der australischen Hitze gelegentlich abzukühlen. Von Carns aus besuchen wir die Whitesundays, ein Archipel aus 74 tropischen Inseln am Rande des Great Barrier Reef. Durch das Riff werden die Inseln vor starkem Seegang  und dem Eindringen von Haien geschützt. Nur die gefährlichen Quallen schaffen es in dieses Riff einzudringen, weshalb wir uns zusätzlich zu der normalen Schnorchelausrüstung in einen Ganzkörperanzug zwängen müssen, denn der Kontakt mit nur einem Tentakel könnte für uns tödlich enden. Mit einem mulmigen Gefühl begeben wir uns trotzdem ins Wasser und bereuen es keine Sekunde, denn die Schönheit und Vielfalt der Unterwasserwelt ist atemberaubend und wird uns sicher in Erinnerung bleiben. Eine weitere Tour führt uns in den dichten Regenwald zu den magischen Wasserfällen. Schwimmen ist hier ausdrücklich erlaubt, wie uns der Guide versichert, was wir auch ausgiebig nutzen.

Wer in Carns ist, muss auf jeden Fall einmal ein Dschuneldorf gesehen haben und so wandern wir auf engen Pfaden durch den dichten Regenwald mit seiner für uns total fremden Flora nach Kuranda. Natürlich befolgen wir sehr genau die Anweisungen des Guides keine Äste anzufassen und feste aufzutreten, damit die Spinnen und Schlangen verscheucht werden. Wir haben Glück, dass keines der Tiere unseren Weg kreuzt.

Anschließend geht es weiter nach Townsville, der Stadt, die nicht nur dem Namen nach Erinnerungen an einen alten Westernfilm wachruft, sondern auch in ihrem ganzen Erscheinungsbild.  Die absolute Attraktion der Stadt ist die vorgelagerte Insel Magnetic Island, die wir per Boot anfahren, um die hier wild lebende Tiere zu beobachten. In der Hauptstadt Nelly Bay ergibt sich für uns die Gelegenheit die Fütterung der wilden Wallabys, die kleinen Verwandten der Kängurus, mitzuerleben. Die niedlich hüpfenden Tiere haben im Laufe der Zeit ihre Scheu vor Menschen verloren und lassen sich schließlich auch von uns füttern, während im Eukalyptuswald die Koalas ihre Freiheit genießen. Koalas in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten lassen wir uns auch nicht entgehen und machen uns auf den langen Weg durch den Eukalyptuswald. Nach einer gefühlten Ewigkeit haben wir endlich das Glück zwei Koalas aus relativ geringer Entfernung beobachten zu können.

Für die restliche Strecke nach Mackay, wo wir die 16. Etappe beenden, folgen wir einfach der Korallenmeer Küste, vorbei an traumhaft weißen Stränden und steilen Klippen, von denen wir einen guten Blick haben, um die zahlreichen Surfer zu beobachten.

Reisebericht 17. Etappe 950 km (gesamt 15.063 km)

Mackay lassen wir auf unserer Küstenroute nach Süden, – immer der Brandung des  Korrallenmeers folgend -, schnell hinter uns und legen den nächsten größeren Stopp  in Agnes Waters ein. Aus zuverlässiger Quelle ist uns zu Ohren gekommen, dass der Ort für seine Surfkurse bekannt ist und besonders für blutige Anfänger wie uns beste Bedingungen bietet. Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen.  Die Subtropen haben wir mittlerweile verlassen, weshalb wir vor Krokodilen und Quallen keine Angst mehr haben müssen. Diese Tiere vertragen im Gegensatz zu uns die Kälte, – es sind immer noch mehr als 30 Grad-, der gemäßigten Klimazone nicht gut. Haie sind und bleiben allerdings ein Problem. Agnes Waters liegt nicht auf den typischen Hairouten, weshalb es zu einem  Haiangriff  hier noch nie gekommen ist,  wie uns unsere braun gebrannten Surflehrer aufklären.

Aller Anfang ist schwer und nicht gerade spannend. Deshalb liegen wir erst einmal eine halbe Stunde auf unseren Brettern am Strand, üben die richtige Paddel- und Aufstehtechnik und kommen uns etwas lächerlich vor. Doch erst einmal im Wasser, gefühlt tausend mal rausgepaddelt, von Wellen überspült, massenweise salziges Wasser geschluckt, um mit Glück einmal ganze zwei Meter wacklig auf dem Brett zu stehen, zeigt uns, dass das was die Surfer so easy machen, ganz schön schwer ist und eine Menge Übung erfordert. Und trotzdem, Spaß macht es auf jeden Fall.

Das nächste große Ziel, die berühmt berüchtigte Insel Fraser Island ist mit einer Fläche von 1840 Quadratkilometern die größte Sandinsel der Welt und mit gerade einmal 184 Einwohnern nicht gerade dicht besiedelt. Die Jeeps mit Allradantrieb stehen schon für uns bereit, so dass wir uns direkt auf die Sandpisten begeben können. Befestigte Straßen gibt es auf der Insel nicht. Kaum gestartet und schon hat sich der erste Jeep im Sand festgefahren. Nun heißt es, alle raus aus den Jeeps und gemeinsam den Jeep freibuddeln. Ganz schön anstrengend das Ganze, vor allem, wenn das mehrmals passiert wie bei unserer Gruppe.  Endlich erreichen wir an der Ostküste den 75 Mile Beach. Was wie ein gewöhnlicher Strand aussieht, wird hier als Highway der Insel bezeichnet, auf dem wir mit Vollspeed über den festgefahrenen Sand düsen, immer darauf achtend, dass nicht gerade ein Flugzeug auf dieser Piste im Landeanflug ist. Leider ist auch hier das Wasser tabu. Viel zu viele Haie, deren dunkle Schatten wir von den Klippen, unter der Meeresoberfläche erkennen können. Echt gruselig. Aufs Baden müssen wir aber trotzdem nicht verzichten, denn Fraser Island besitzt über 200 klare, saubere Süßwasserseen, die sich zum Schwimmen anbieten. Lake McKenzie finden wir besonders hübsch. Über lange steile Dünen schlittern wir ausgelassen hinunter zum See und sind uns jetzt schon darüber im Klaren, dass der Rückweg sicher anstrengend wird. Die Tatsache, das wir dabei einem Skorpion gerade so ausweichen können, findet unser Guide nicht gerade witzig und ermahnt uns eindringlich etwas vorsichtiger zu werden. Übernachtet wird in einem improvisierten Zeltlager, was uns stark an unsere Jugendzeit erinnert, nur das das Lager komplett mit Holzpflöcken eingezäunt ist. Die Einzäunungen dürfen nach Einbruch der Dämmerung nicht mehr verlassen werden, oder nur in Gruppen, wobei jeder  mit einem Stock bewaffnet sein muss. Die recht niedlich anzusehenden Dingos (kleine Windhunde), die auf der Insel heimisch sind, greifen hin und wieder Menschen an und sind dabei offensichtlich stärker und gefährlicher als sie aussehen. Vom Lagerfeuer aus, an dem wir die Abende verbringen, können wir die Tiere beobachten, die sich in der Nähe des Lagers aufhalten und wahrscheinlich auf Abfälle warten. Da wir kein Risiko eingehen wollen, bleiben wir deshalb vorsichtshalber innerhalb der Einzäunung.

Nach unserer etwas längeren Etappe auf Fraser Island müssen wir nun aber die Beine in die Hand nehmen und uns auf unserer letzten Etappe auf dem australischen Kontinent sputen. Brisbane, die Hauptstadt von Queensland, ist unser Ziel. Von dort aus möchten wir nach Neuseeland übersetzten. Zunächst wandern wir aber noch die Sunshine Coast entlang. Endloses Meer zu unserer linken, Wolkenkratzer mit Glasfassade zu unserer rechten und ein breiter, weißer Sandstrand soweit das Auge reicht vor uns. So folgen wir dem Rainbow Beach, der irgendwann in die Sunshine Coast übergeht, bis wir in Brisbane ankommen. Hier wird der Strand merklich enger, es wird felsiger und die Häuser der Vororte ragen bis ans Meer und an die Felsen heran. Vereinzelt gibt es hier auch Windsurfer.

Während direkt am Meer die eher luxuriösen Stadtviertel zu finden sind, liegt das Stadtzentrum am Brisbane River. Hier finden wir neben typischen Einkaufsmeilen und Wolkenkratzern auf der South Bank auch die für Australien typischen, riesigen angelegten und komplett kostenlosen Poollandschaften, mitten in der Stadt. Von den alten Museum- und Bibliotheksgebäuden im Westen, schlendern wir den Fluss entlang durch hübsche Gärten mit unzähligen Brunnen, links von uns die Skyline der Innenstadt. Schade, dass wir nicht länger bleiben können, die Stadt hätte sicherlich noch vieles zu bieten, aber wir müssen sehen, dass wir unser Frachtschiff nach Neuseeland nicht verpassen.

Reisebericht 18. Etappe 1.125 km (gesamt 16.188 km)

Wie in den letzten Tagen üblich werden wir von dem Schaukeln des Schiffs in den Morgenwinden geweckt. Der dritte Tag auf dem Weg nach Neuseeland bricht an und das Geschrei der Möwen macht uns auf die am Horizont auftauchenden Landmassen aufmerksam. Mit viel Vorfreude werden wir am Farewell Split abgesetzt, dem südlichsten Punkt der Nordinseln. Um einen ersten Blick auf die Südinsel zu erhaschen laufen wir die in der Sonne golden schimmernde Landzunge entlang. Wir haben Glück, die Ebbe legt uns den Meeresboden frei und wir können die Spitze der gebogenen Landzunge durch Abkürzen deutlich schneller erreichen. Im Watt liegen immer wieder riesige Knochen und Wirbelstücke, so groß sind wie menschliche Köpfe. Von einem Backpacker erfahren wir, dass die Strömungen in dieser Gegend oft schwache Wale in die Bucht treibt die dann ihre letzten Stunden im sogenannten Walfriedhof verbringen. An der Spitze angekommen haben wir das seltene Glück die Flossen von Buckelwalen aus dem Wasser lugen zu sehen. Oder sind es doch andere Wale? So genau kennt sich da keiner von uns aus. Nach einem etwas längeren Marsch landeinwärts, immer dem Takaka River folgend, sind wir bereit unsere erste Nacht in der schönsten Stadt der Golden Bay Area namens Takaka zu verbringen. Schnell finden wir Zuflucht in den Häusern der Bewohner im Austausch für Geschichten unserer Reise. So erfahren wir von einem 5 Tagemarsch, dem Able Tasman Great Walk. Eine Einwohnerin Elise begleitet uns auf dem Weg, welcher uns durch Flüsse, über Berge und vor allem über wunderschöne Strände bis Motueka führt. Dort angekommen erfreuen wir uns im Schwimmbad an einer billigen Dusche und entledigen uns unserer alten Schuhe im Warehouse. Der Weg folgt von. hier an stetig der Küste, bis wir in der nächst größeren Stadt Nelson angelangen. Um uns ein paar hundert Höhenmeter zu ersparen, umkreisen wir den Mount Richmond Forest Park in nördlicher Richtung. Waldbrände von riesigem Ausmaß haben hier karge Landschaften, die mittlerweile von unzähligen jungen Bäumen zurückerobert werden, hinterlassen. In Blenheim angekommen genießen wir die zu kurze Fahrt auf die Südinsel. Hier erfahren wir, dass Neuseeland wie die meisten Länder zum Urkontinent Gondwana gehörte. Vor etwa 85 Millionen Jahren trennte sich das Kontinentstück Zealandia von diesem Urkontinent ab, dicht gefolgt von dem Kontinentstück Antarktika, das heute als Antarktis bekannt ist.

Mit der Fähre geht es weiter ins Getümmel der Hauptstadt Neuseelands, nach Wellington. Zumindest einen Nachmittag und Abend verbringen wir am Hafen und in den Einrichtungen der Stadt. Die verlorene Zeit holen wir mit einem Gewaltmarsch am nächsten Tag schnell wieder auf. Im Norden erhebt sich ein riesiges Gebirge, das durch vulkanische Aktivitäten geprägt ist. Da Neuseeland auf der Grenze der Australischen und Pazifischen Platte liegt, sind Erdbeben und Vulkane für die Bewohner keine Besonderheit. Am berühmtesten ist wohl der Vulkan Mount Ngauruhoe, der im 20. Jahrhundert fünfundvierzigmal ausgebrochen ist. Uns ist es beim Anblick etwas mulmig zumute, doch die meisten Ausbrüche wurden vorhergesehen oder waren von unten fast nicht zu erkennen. Zusammen mit vielen anderen Touristen laufen wir direkt am Tangariro Crossing vorbei. Trotz der durch die mehr als 100 devil steps gewonnenen Höhe liegt der Krater noch weit über uns. Der Aufstieg über die dünenartige Geröllwand ist jedoch nur in kleinen Gruppen und für erfahrene Bergsteiger geeignet, und so entscheiden wir uns, dass der Weg für uns hier endet. Aber hier ist es auch spannend, denn wir befinden uns gerade  am Drehort von Herr der Ringe, explizit am Fuß des Schicksalsberges, in dem alles begann und auch wieder endet.

Viel länger als geplant verbringen wir an diesem Berg und müssen uns jetzt etwas sputen, denn die Landschaft bleibt weiterhin spannend. Weiter geht es vorbei an türkis schimmernden Schwefelseeen, die die Heiligtümer in der Kultur der Ureinwohner den Maoris sind, über faszinierende Geröll und Gesteinslandschaften, bis sich der Berg wieder senkt und die Natur langsam die Oberhand zurückgewinnt.

Am Lake Taupo gönnen wiruns eine Erholungspause und manche ein kühles Bad, bevor wir uns an einem weiteren Drehort aus Herr der Ringe wiederfinden. Hobbiton! Im kleinen Dorf des Auenlandes stehen die Häusertüren direkt in mehreren Größen, um die Hobbits klein und Gandalf groß erscheinen zu lassen.

Aber jetzt schnell weiternach Auckland, dem Dreh- und Angelpunkt Neuseelands. Im kleinen Freemans Backpackerloge lassen wir uns etwas abseits vom Trubel nieder. Ein paar Tage Pause vom Wandern tut uns sicher ganz gut und so machen wir die Läden von Auckland unsicher. Im Auckland Tower genießen wir die Aussicht über die gesamte Stadt mit knapp 1,7 Millionen Einwohnern. Am Abend stärken wir uns bei Dominos mit Pizzen zu Spottpreisen.

Bevor wir am nächsten Morgen nach Hawaii aufbrechen, legen wir uns noch das aller wichtigste zu: Hawaiihemden und zwar für alle!

Reisebericht 19. Etappe 768 km (gesamt 16.956 km)

Die Entfernungen, die wir mit dem Schiff zurücklegen werden in den unendlichen Weiten des Pazifiks immer länger. Und so verbringen wir, bevor wir endlich unser Traumziel die Inselketten von Hawaii erreichen, endlose Tage auf zum Glück überwiegend ruhigem Gewässer und haben Zeit, uns mit der Geographie und den Sehenswürdigkeiten der Inseln zu beschäftigen. Dass die Inseln mitten im Pazifik liegen und vollständig vom größten und tiefsten Ozean der Welt umgeben sind, ist ebenso wie die Tatsache, dass sie durch Vulkanausbrüche entstanden sind, noch aus unserem Allgemeinwissen abrufbar.

Die Namen der sechs Hauptinseln stellen uns vor eine deutlich größere Herausforderung. Erster Ankerpunkt ist die Insel Oahu mit der Hauptstadt Honolulu, die wir erst einmal erkunden, bevor der Weg uns 15 km weiter zur berühmten Waikiki Beach, einem der berühmtesten Strände der Welt führt. Hier genießen wir die atemberaubende Aussicht auf Diamond Head, Hawaiis berühmtem Krater und beobachten die Wassersportler, die sich dank einem kleinen aber langanhaltenden Wellenbruch im Surfen und Kanufahren versuchen. Die Inseln Molokai, Lanai und Kauai, lassen wir außen vor und steuern die Insel Maui an. Maui wird von den

Einheimischen als „windige Insel“ bezeichnet, weil hier immer eine frische Brise weht. Die höchsten Windstärken werden morgens zwischen neun und zehn Uhr gemessen und natürlich auch die höchsten Wellen, was dem ein oder anderen auf dem kurzen Inselsprung ganz schön zu schaffen macht. Während die Profis im Surfen (Wellenreiten) und Windsurfen in mehr als mannshohen Wellen und Starkwind waghalsige Manöver vorführen, die auch oft genug im tosenden Meer enden, schauen wir uns das Spektakel lieber aus der nahen Strandbar bei einem echt hawaiianischen Frühstück an. Auf unsere Frage, ob das Surfen hier nicht gefährlich sei, winken die Guides ab und berichten, dass es nur selten Angriffe von Tigerhaien gäbe, die meist durch blutende Verletzungen am Riff oder durch Seeigel angelockt würden. Alleine die Vorstellung, nur einen Meter ins Wasser zu waten, lässt uns schon erschauern. Lange Zeit, um darüber nachzudenken haben wir nicht, denn das Schiff wartet bereits, um uns auf die östlichste und größte Insel Hawaii, heute auch Big Island genannt zu bringen.

Die Insulaner leben hier hauptsächlich vom Tourismus, aber auch vom Anbau von Macadamia-Nüssen, Kona-Kaffe, Papayas, Bananen und anderen Agrarprodukten sowie der Viehzucht. Der höchste Berg des Landes, der Vulkan Maina Kea, zu Deutsch „schlafender Berg“, ist 4.205 m hoch. Wenn man die Höhe des Berges ab dem Meeresboden messen würde, wäre er mit 10.000 m der höchste Berg weltweit. Zum Glück führt uns der 78 km lange Fußweg nicht über diesen Berg, auch wenn die Temperatur mit 25 Grad sehr erträglich ist. Hawaii ist vom Klima und der Geographie ausgesprochen vielfältig. Während sich an der Südseite der Insel viele schwarze Strände erstrecken, gibt es an der Westküste wenige lange, weiße Sandstrände. Der Regen bleibt dagegen an der Ostküste, so dass die Westküste besonders sonnig und regenarm und deshalb als Reiseziel besonders beliebt ist, weshalb die Strände hier auch gut gefüllt sind. Wir können die Insel nicht verlassen ohne noch einmal das hawaiianische Essen, dass überwiegend aus frischen Meeresfrüchten, Obst und Gemüse zubereitet wird und einen oder zwei farbenfrohe Cocktails mit kleinen Schirmchen zu genießen.

Erst dann werden wir wieder im Bauch eines Schiffes verschlungen, um die die Reise in Kalifornien, genauer in Los Angeles fort zusetzten. Hier in der größten Stadt im US-Bundesstaat Kalifornien ist das Leben wieder deutlich schneller und hektischer. Wer an LA denkt, denkt an Filme, Stars und Sternchen. Und auch wir machen uns auf den Weg zu den Universal Studios Hollywood. Hier haben wir die Gelegenheit, einen Filmdreh aus nächster Nähe zu beobachten; zu unserer Enttäuschung nur mit unbekannten Schauspielern. Auch ein Ausflug in die Beverly Hills, den Distrikt, der nur von Schönen und Reichen bewohnt wird ist ein Muss für LA. Nach dem ganzen Glanz und Glimmer steht uns der Kopf nach Entspannung am Strand und so machen wir uns auf den Weg zum Venice Beach, einer der beliebtesten Strände an der Pazifikküste von Los Angeles. Neben zahlreichen Musikern, Malern und Artisten tummeln sich hier sonnenhungrige aus allen Gesellschaftsschichten. Während wir am späten Nachmittag noch gemütlich entspannen, wird der Strand trotz sonnigem Wetter plötzlich unheimlich leer. Unserem Herdentrieb folgend packen wir ebenfalls unsere sieben Sachen und eilen den Menschen hinterher.

Erst am nächsten Tag erfahren wir, dass Venice Beach wegen der Straßenbanden und Dealer nach Sonnenuntergang zu gefährlich ist, um sich dort aufzuhalten. Eigentlich wollten wir auch eines der vielen Festivals besuchen, aber leider finden dieses Jahr keine Festivals statt und so wandern wir weiter, vorbei am Laguna Salada, einem Salzsee in der Form einer Raute über Mexicali nach Puerto Panasco, einem Fischerort am Golf von Kalifornien, wo die Wüste auf das Meer trifft. Der besondere traditionelle Charme des Ortes mit idyllischen Straßen und Sandstränden lädt zum Verweilen ein, und so beenden wir an diesem schönen Ort unsere 19. Etappe.

Reisebericht 20. Etappe 539 km (gesamt 17.495 km)

Wir starten vor Sonnenaufgang, um den Golf von Kalifornien noch bei angenehmen Temperaturen zu genießen. Das Mündungsdelta, das Colorado River haben wir bereits hinter uns gelassen und wandern nun entlang des 160.000 qkm großen Nebenmeers des Pazifiks. Der Golf von Kalifornien liegt zwischen Mexiko und der Halbinsel Niederkalifornien, ist über 1.000 km lang und zwischen 90 und 230 km breit. Er liegt in einer tektonischen Verwerfungszone und gehört zu Mexiko. 

Dieser relativ kleine Meeresteil ist die Heimat eines einzigartigen und reichen Ökosystems. Außer einer großen Vielfalt ansässiger Tiere und Pflanzen sind hier viele wandernde Tierarten wie der Buckelwahl, der Grauwal, der Mantarochen und die Lederschildkröte zu finden. Außerdem lebt hier eine Population Finnwale, die keine jährliche Wanderung unternimmt, sondern das ganze Jahr in diesem Gebiet bleibt. An der Playa Encanto mit den Stränden Miramar und Bonita lädt uns das glasklare Wasser und der feinsandige Strand zum kurzen Verweilen ein. Das ganze Gebiet bis Guaymas, dem Ort, an dem wir diese kurze Etappe beenden, ist wenig erschlossen. Kleinste Küstenorte (vielmehr eine Anreihung weniger kleiner Häuschen), die überwiegend von Fischern genutzt werden, wechseln sich ab mit Felsbuchten und Sandstränden. Hin und wieder unterbrochen von Hotelanlagen. Den Lebensunterhalt verdienen die Menschen hier überwiegend mit der Fischerei, der Landwirtschaft oder dem Tourismus. Während die einen sich von den regionalen Fischspezialitäten verwöhnen lassen, nutzen andere die Zeit sich die Unterwasserwelt und die seltenen Tierarten aus der Nähe anzusehen. Besonderes Highlight sind hierbei die Nachttauchgänge.

In Guaymas einer Stadt mit 110.000 Einwohnern besichtigen wir die wunderschönen Bauten, die noch aus Kolonialzeiten stammen, darunter das Rathaus, das Gefängnis, die Kirche San Fernando und die Herz-Jesu-Kirche. Die Missionsstationen San Jose de Guaymas und El Sahuaral, die inmitten eines riesigen Kaktus-Gebietes liegen, lassen wir uns nicht entgehen, ebenso wenig wie die Dörfer der Yaqui, einer indianischen Ethnie Mexikos. Der Tag beenden wir mit gutem mexikanischen Essen, Tequila, Kaffee und Früchten aus heimischem Anbau.

Reisebericht 21. Etappe 763 km (gesamt 18.258 km)

Bei der Planung unserer nächsten Etappe realisieren wir zum ersten Mal, wie groß das unscheinbare Land Mexiko eigentlich ist. Zwar hat Mexiko nur das eineinhalbfache an Einwohnern von Deutschland, dafür aber die fünfeinhalbfache Fläche, was sich auf unsere Laufstrecke schon erheblich auswirkt. Unser eigentliches Ziel, die Hauptstadt Mexico-Stadt zu erreichen müssen wir wohl noch etwas verschieben. 

Außerdem müssen wir unser Equipment ein wenig aufstocken, denn der kürzeste Weg nach Mexiko Stadt, ist sogleich auch der anstrengendste, weil er die Überquerung des Hochlandes von Mexiko erfordert. Der weitaus größte Teil dieses Gebirges liegt auf weit über 1000 Metern Höhe. Wir besorgen uns also ein zusätzliches Paar Wanderschuhe, neue Spitzen für unsere Wanderstöcke und genügend Proviant, denn in weiten Teilen des Landes gibt es nur wenige Dörfer, in denen wir uns versorgen können. Das Hochlandplateau überspannt beinahe den ganzen Norden Mexikos und fällt sowohl zum Pazifik im Westen, als auch zum Golf von Mexiko im Osten steil ab. Am Westrand verläuft die bis 3150 m ansteigende Sierra Madre Occidental, ein unwirtliches, durch tiefe Canyons zerschnittenes Gebirge, dessen kahle, zerklüftete Gebirgshänge uns auf dem Großteil dieser Etappe begleiten. Viele dieser Canyons müssen wir auf unserem Weg umrunden und laufen dann durch landwirtschaftlich voll erschlossene Täler mit der für Nordamerika typischen Aufteilung im Schachbrettmusterstiel.

Die fünftgrößte Stadt Mexikos, Navajoa, bietet leider kaum interessante Sehenswürdigkeiten und so lassen wir sie nach einer kurzen Pause an der recht hübschen Lagune schnell hinter uns. Dagegen fasziniert uns die kleine Stadt Masiaca mit ihrem traditionellen Kunsthandwerk und den handgeschnitzten Masken deutlich mehr. Nur wenige km weiter überqueren wir den Fuert River, dessen Ufer von Mangoplantagen gesäumt sind. 

Eigentlich stand die Isla del Farallon auf unserem Plan, aber den nicht gerade kleinen Umweg schenken wir uns, denn die Etappe ist anstrengend genug. Deshalb müssen wir uns mit Bildern und Geschichten der dort lebenden Robben, Seelöwen und vielfältigen Vogelarten begnügen. 

Die nächste große Stadt, die auf unserem Weg liegt, ist Culiacan, die uns mit ihren vielen kleinen Häuschen und hübsch gestalteten Parkanlagen zum kurzen Verweilen einlädt. Lang bleiben wir hier aber nicht, denn wir wollen schnell das Endziel dieser Etappe, den Ort Mazalan erreichen. Dieser Ort wird und als Geheimtipp unter dem Namen Perle des Pazifiks angepriesen, weshalb wir sehr gespannt sind, was uns dort erwartet. Schon nach den ersten Schritten in den Ort fällt uns die Architektur der Gebäude ins Auge, die ein wenig an die Bergdörfer der Toskana erinnert. Wegen der großen Wellenbrecher, die hier je nach Wetter- und Wind auf den Strand rollen, ist Mazalan als Surf-Mecca bekannt. Das noch leicht subtropische Klima macht die Stadt zu jeder Jahreszeit attraktiv und wir verstehen, warum so viele Mexikaner und US-Amerikaner ihren Zweitwohnsitz in diesem Dorf errichtet haben. Für uns ist dies eine entspannte Möglichkeit den Tag an einem ruhigen windstillen Abend am Strand, mit leiser Straßenkünstlermusik, die von der elf Meilen langen Küstenpromenade hinter uns zu uns herunter weht, ausklingen zu lassen.

Reisebericht 22. Etappe 767 km (gesamt 19.025 km)

Letzte Nacht wurden wir von Sturm und heftigem Regen geweckt. Aber das war ein harmloser Sturm, die richtigen Stürme (Hurikans) kommen erst ab August, versicherten uns die Einheimischen. Die wollen wir erst gar nicht erleben. An kurze kräftige Regengüsse haben wir uns mittlerweile auch schon gewöhnt, denn wir bewegen uns am Anfang der Regenzeit in Mexiko.

Am Morgen ist alles wieder vergessen und wir können ungehindert unseren Weg fortsetzten. Als nächstes Ziel steuern wir Puerto Vallarta an, eine kleine Stadt mit charmantem Flair, gutem Wetter und tollen Stränden. Dass dieses Örtchen ein besonderer Treffpunkt von Kunstliebhabern ist, ist nicht zu übersehen. Neben zahlreichen „Kunstwerken“ und Skulpturen gibt es in jeder Straße gleich mehrere Galerien und Ausstellungen. Auch kulinarisch bietet die Stadt eine Vielfalt mexikanischer Spezialitäten an den unzähligen Straßenständen der Strandpromenade. Ob der besonders beliebte Taco al Pastor, der von libanesischen Einwanderern im 19. Jahrhundert nach Mexiko gebracht wurde, oder die Quesadillas, die im Original mit Käse gefüllten Maistortillas, bis hin zu Füllungen mit Kürbisblüten, Heuschrecken oder blauem Mais, ist hier alles zu haben. Und keiner von uns schafft es, sich von diesem Duft nicht verführen zu lassen. Dazu noch die atemberaubende Panorama-Aussicht über die Bucht, während die Sonne sich paradiesisch hinter dem Horizont vom Tag verabschiedet.

Und wir verabschieden uns für eine Zeitlang von der Küste und wandern ins Landesinnere. Schon nach wenigen Kilometern steigen die Temperaturen kräftig an und von der erfrischenden Meeresbrise fehlt auch jede Spur. Aber die Stadt Guadalajara entschädigt uns für den langen Marsch. Allein die riesige Kathedrale mit ihrer Geschichte ist sehenswert, dazu die Häuser und die Menschen, die noch ihre Kultur leben und die Mariachi-Musik bringt ein Mexiko Feeling, wir es noch an keinem anderen Ort erlebt haben. Die vielen grünen Parks runden das Gesamtbild der Stadt ab und überall die geschmückten Häuser!

Am nächsten Morgen wundern wir uns noch viel mehr, als fünf Männer den ca. 30 m hohen Holzpfahl mitten im Ort besteigen, begleitet von theatralischen mexikanischen Klängen. Von der Plattform an der Spitze lassen sich vier Männer an Seilen herab, während der Rahmen und damit die Männer um den Pfahl rotieren. Die vier fliegenden Männer schweben an einem sich abwickelnden Seil kopfüber zu Boden. Die Befestigungsseile werden dabei ganz langsam vom Pfahl abgewickelt. Die Fliehkraft treibt die Voladores nach aussen, bis sie nach 13 Runden den Erdboden erreichen. Der fünfte Mann begleitet dies mit Trommel und Flöte von der Plattform aus. 

Was für uns so wagemutig und gefährlich aussieht ist in Wahrheit ein genau berechnetes Schauspiel, ein 1400 Jahre altes Ritual, genannt die „fliegenden Männer“. Es wird zu bestimmten Festtagen aufgeführt zu Ehren der Fruchtbarkeits- und Frühlingsgötter. Der Flötenspieler stellt die Sonne dar, die anderen die vier Elemente Erde, Luft, Feuer und Wasser.

Dass es in Mexiko viele solcher Zeremonien gibt, davon lassen wir uns gerne erzählen und weil uns die Feierlichkeiten so gut gefallen beenden wir hier diese Etappe und verbringen gemeinsam mit der gastfreundlichen einheimischen Bevölkerung diesen so ganz anderen Tag in einem ganz anderen Land.

Reisebericht 23. Etappe 976 km (gesamt 20.001 km)

Auch das schönste Fest hat einmal ein Ende und so schnüren wir heute unsere Wanderschuhe für den weiteren Weg Richtung Mexiko-Stadt. Ein paar kleinere Dörfer liegen auf unserem Weg, in denen Essen vor allem nach der traditionellen Küche, der Küche der ärmeren Bevölkerung, gekocht wird, was den meisten von uns besonders gut schmeckt.

Endlich erreichen wir Mexiko-Stadt und beginnen unsere Tour an der „Plaza de la Consitucion“,dem zentralen Platz, mitten im historischen Stadtkern, der auch als Herz der Stadt bezeichnet wird. Er ist einer der größten öffentlichen Plätze weltweit und wird von einer gigantischen mexikanischen Flagge überragt. 

Der riesige weiße Betonwürfel mit dem gezackten Dach zieht unsere Blicke an und entpuppt sich bei näherem Betrachten als das „Museo Jumex“, das erst 2013 eröffnet wurde und rasch zu einer der beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Mexiko -Stadt aufgestiegen ist. 

Mit unseren klobigen Wanderschuhen, den vom Wandern staubigen Hosen und den großen Rucksäcken auf unseren Rücken sind wir wohl nicht salonfähig genug für einen Besuch im Museum. Deshalb beschließen wir unser Gepäck im Hotel unterzubringen und uns ausgehfertig herzurichten.

Auch wenn unser Budget keine Übernachtung im Gran Hotel Ciudad erlaubt, besichtigen wollen wir das berühmte Gebäude, das ursprünglich als Kaufhaus eröffnet wurde schon. Nach dem Betreten der feudalen Halle bringt uns der Jugendstil-Aufzug zur Dachterrasse, von wo aus wir einen tollen Ausblick auf die Stadt haben und zugleich das Dach mit seinen Tiffany-Glasmalereien, die 1908 aus Frankreich importiert wurden, bewundern können.

Noch schöner ist der Blick allerdings vom Torre, dem höchsten Gebäude im historischen Stadtzentrum. Dieser Turm hielt auf wundersame Weise zwei Erdbeben der Stärken 8,1 und 7,1 stand und ist eine nützliche Orientierungshilfe, da er fast aus dem gesamten Stadtgebiet zu sehen ist.

Dagegen ist die Catedral Metropolitana nicht ganz so standfest. Wie viele andere Gebäude im Stadtkern, sinkt das Bauwerk langsam in den Erdboden ab. Ob die sehr aufwändigen und teuren Sanierungsarbeiten der letzten Jahre das verhindern können, bleibt abzuwarten.

Lehrreich und sogleich wunderschön sind die Chinampas der Atzeken, die mit einer genialen landwirtschaftlichen Technik Ackerland am See angelegt haben. Heute kann man mit bunten Booten entlang der Kanäle fahren und von den schwimmenden Verkäufern Andenken kaufen, wovon wir reichlich Gebrauch machen. So manches handwerkliche Kunstwerk wechselt hier den Besitzer und wird, zurück in der Heimat, an schöne Erlebnisse erinnern.

Durch die Sierra Madre führt uns der Weg weiter zur mexikanischen Pazifikküste, zum berühmten Badeort Acapulco. Hier findet jeder etwas für seinen Geschmack. Wer schicke Geschäfte, Restaurants, Golfplätze und Nachtleben liebt, fühlt sich im „neuen Acapulco“ wohl. Wer eher das Traditionelle, mit kleinen Geschäftchen in verwinkelten Gassen, Händlern, die ihre Waren auf der Straße anbieten, Essensständen an Straßen mit einheimischer Kost, gemütlichen Kaffeehäusern und kleine idyllische Plätze zum Verweilen liebt, bevorzugt das „traditionelle Acapulco“. Eines haben beide Stadtteile allerdings gemeinsam; die malerische Landschaft, Berge, Kliffe, Meer sowie palmengesäumte Strände und die verrückten professionellen Taucher, die zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten von einer 40 m hohen Klippe „la Quebrada“ in eine kleine Bucht springen. 

Das Spektakel lassen wir uns, genau wie viele andere Touristen, nicht entgehen und hoffen bei jedem Sprung, dass alle Springer heil wieder aus dem Wasser steigen.

Hier beenden wir die 23. Etappe und werden Mexiko, nach einem unendlich langen Fußmarsch, auf dem Seeweg verlassen, aber viele schöne Erinnerungen mitnehmen.

Reisebericht 24. Etappe 1.019 km (gesamt 21.020 km)

Eigentlich, so die Planung, wollen wir per Fuß die nächste Strecke zurücklegen. Doch davon wird uns abgeraten, da es hier öfter zu Überfällen kommt.

Wir wählen deshalb den Seeweg. Und ein Schiff ist auch schnell gefunden. Ob das wirklich so stimmt mit den Überfällen, erscheint uns etwas merkwürdig, liegt doch das Schiff direkt schon im Hafen. Egal, unsere Füße werden es uns danken. 

Vom Schiff bestaunen wir die sich ständig verändernden Landschaften und entscheiden uns kurzfristig im bevölkerungsreichsten Land Zentralamerikas unsere Reiseroute zu unterbrechen und in Guatemala die beeindruckenden Maya-Ruinen von Tikal zu besuchen. Im Hafen von Puerto Madaire spukt uns das Schiff aus und wir machen uns gleich auf den Weg durch die Berge. Am Anfang sehen wir Vulkane in der Ferne, doch bald schon führt uns der Weg durch immer dichter werdende Waldgebiete. Der Blick, als wir Tekal zum ersten Mal sehen, ist einfach nur Wow!

Mitten im Regenwald liegt diese bedeutendste Städte der klassischen Maya-Periode, die auf das 1. Jahrtausend zurückgeführt wird. In den Höchstzeiten lebten ca. 200.000 Menschen in der Stadt, die sich über ein Gebiet von 65 Quadratkilometern erstreckt. Selbst heute sind viele der unzähligen Gebäude noch nicht ausgegraben und erforscht.

Mit unserem Guide Stefano machen wir uns auf den Weg, die beeindruckenden Stufentempel zu erkunden. Stefano taucht mit uns in die Geschichte der Maya ein und lässt die Bilder dieser Stadt und ihren Einwohnern vor unserem inneren Auge lebendig werden. Wir erfahren, dass jeder Hügel auf dem riesigen Gelände nicht nur ein schnöder Hügel ist, vielmehr versteckt sich unter fast jedem einzelnen ein weiterer Tempel, der aus Kostengründen einfach noch nicht freigelegt wurde. Auch hier laufen wir viel, erklimmen Stufentempel und lassen die Bauwerke und den Ausblick auf uns wirken. Immer wieder entdecken wir in den Baumwipfeln Brüllaffen. Der Name macht ihnen alle Ehre, denn Ihr Geschrei ist irrsinnig laut und lässt uns hin und wieder zusammenzucken. 

Nach diesem beeindruckenden Blick in die Vergangenheit wandern wir auf dringendes Anraten unseres Guides weiter nach Lanquin, weil sich hier die natürlichen Wasserbecken von Semuc Champay, die durch den Rio Cahabon gespeist werden befinden. Und er hat nicht zuviel versprochen. Ein echtes kleines Naturwunder. Zunächst erkundet ein Teil unserer Gruppe eine nahegelegene Höhle – und das ist spannender als es sich anhört. Wir bekommen Kerzen in die Hand und hangeln uns im tiefen, kalten Wasser rund zwei Stunden durch die Höhle, springen in Wasserfälle, kriechen durch Löcher und versuchen uns nicht an den messerscharfen Steinen zu verletzen.

Nach diesem Abenteuer stürzen wir uns von einer Schaukel in den Fluss, was mächtig Spaß macht (den meisten jedenfalls), um dann in Schwimmringen auf dem Wasser zu treiben. 

Danach nehmen wir den Anstieg zum Mirador in Angriff, um den besten Blick auf die Pools zu haben – bei 40 Grad keine leichte Aufgabe. Doch der Blick, den wir von hier oben haben, entschädigt uns für die Anstrengung. Die türkisgrünen Pools laden zum Schwimmen und Tauchen ein und sind eine willkommene Abkühlung im heißen Dschungel. In der Sprache der Maya bedeutet Semuc Champay „dort, wo der Fluss in der Erde verschwindet“, was den Verlauf des Flusses beschreibt. Denn der Rio Cahabon teilt sich in zwei Läufe: einen unterirdischen und einen oberirdischen über die terassenartigen Wasserbecken, um dann letztendlich in der Höhle wieder zusammen zu kommen.

Nach weiteren einhundertzehn Kilometern erreichen wir den Ort El Estor, der am nordwestlichen Ufer des Izabal-Sees, am Fuße der bis zu 1.200 m hohen Sierra de Santa Cruz liegt. Hier beenden wir diese sehr beeindruckende Etappe, lassen die letzten Tage noch einmal auf uns wirken und genießen die Gemütlichkeit und Freundlichkeit der Einwohner, die herrliche Über- und Unterwasserwelt, die feinen Sandstrände und die einheimische Küche.

Reisebericht 25. Etappe 506 km (gesamt 21.526 km)

Kleine Charterbooten bringen uns heute von El Estor weiter auf das große Handelsschiff, das uns ein Stück des Weges mitnimmt. Da wir das ein oder andere Mal länger gebraucht haben als geplant und uns hin und wieder eine zusätzliche Zeit an besonderen Orten geleistet haben, müssen wir Honduras schweren Herzens ausfallen lassen, obwohl uns die einmalige Natur dieses Landes schon reizt, denn hier gibt es die letzten verbliebenen tropischen Regenwälder Mittelamerikas, in dem noch Ara, Jaguar, Tapire und Pumas leben sollen und Faultiere an den Bäumen hängen oder einem direkt vor die Füße fallen, weil sie die Kraft verlassen hat.

Auch die mehr als 350 kleinen Inseln der Archipielago Las Isletas in Nicaragua bleiben dabei auf der Strecke. 

Eine Übernachtung im Maquenque National Wildlife Refuge am San Carlos River hätten wir uns gerne gegönnt, aber der Weg quer durch den Regenwald ist durch derzeit aufgeweichte Böden und hohen Wasserstand des Flusses zu gefährlich. Schade! Naturfeeling in schwindelnden Höhen, aufwachen in einem Baumhaus mitten im Urwald, den Sonnenaufgang über den Wipfeln der Bäume bestaunen, wandern über Hängeseilbrücken entlang der Vulkane und eine Nachtwanderung durch den Tropischen Regenwald, das alles hatten wir in unserer Planung und lassen dies nur ungern ausfallen.

Stattdessen widmen wir uns unserem nächsten Ziel Panama, genauer der Hauptstadt Panama City, da hier alle Highlights und Sehenswürdigkeiten dicht geballt beieinander liegen. Wie die anderen Schiffe auch, nehmen wir den direkten Weg durch den Panamakanal, der die beiden Ozeane Atlantik und Pazifik verbindet und den Schiffen damit einen riesigen Umweg über das berüchtigte Kap Horn erspart. Dem 81,6 km langen Panamakanal hat es Panama City zu verdanken, die mit Abstand reichste Stadt Zentralamerikas zu sein. Vor diesem Hintergrund müsste der Kanal riesengroß und imposant sein, erscheint vor Ort aber nicht so außergewöhnlich wie erwartet. Ok, die Schleusen und Tore sind mächtig, aber naja. Umso beeindruckender finden wir es, dass der Kanal mitten durch einen Regenwald führt und man dort nicht nur Krokodile sondern auch Affen, Tukane und sogar Faultiere zu Gesicht bekommt. Allein dafür hat sich der weite Weg gelohnt. 

Als wir das Schiff verlassen, werden wir fast erschlagen von dem Lärm, dem Verkehr dem quirligen Leben in den Straßen der Großstadt. Nach den Wochen in der Natur kommen wir uns hier etwas fehl am Platz vor. Aber das legt sich bald und wir stürzen uns ins Stadtleben, erkunden die modernen Stadtgebiete und bestaunen die größte Skyline Zentralamerikas vom Plaza de Francia und von der Uferpromenade der Avenida Balboa. Von Panama City geht’s zu Fuss zurück, quer durchs Land über St. Miguelito, San Juan, vorbei am Rio Rita und weiter entlang der Küste über Portobello nach Palenque. Weiter kommen wir nicht auf unseren eigenen Füssen, ohne uns durch die Wildnis zu schlagen. 

Also heuern wir wieder ein Schiff an, das uns mitnimmt und im Port de Commercial dágadir (Agadir in Maroko) wieder absetzt. Schifffahren ist hier so selbstverständlich wie bei uns das Autofahren, weshalb es erstaunlich leicht ist, eine Mitfahrgelegenheit zu ergattern.

Agadir, von den Einheimischen auch „Weiße Stadt am Meer“ genannt, hat sehr viel zu bieten. Angefangen vom angenehmen Klima, -Sonne und Wärme mit einem fast ständig kühlen Wind vom Meer, über die Ruine der Kasbah, die hoch über Agadir thront. Der Ausblick von hier oben ist so unbeschreiblich schön, dass wir den kleinen Anstieg (10 min) auf uns nehmen. Ein Erdbeben hat die ehemals gewaltige Burg so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass nur noch die Ruine übrig geblieben ist. In und um die Stadt gibt es viele gepflegte Parks und Gartenanlagen mit versteckten Nieschen und Plätzen, die zum Verweilen einladen. Um einen Einblick in das Leben der Morakkaner zur bekommen, stürzen wir uns ins Gewimmel am Fischereihafen mit der Markthalle. Einheimische, Menschen jeder Hautfarbe handeln und failschen mit den Fischern, die hier die frischen Fänge aus dem Atlantischen Ozean lautstark anpreisen, und den Obstverkäufern, die alle erdenklichen Arten von Obst und Gemüse fail bieten. An den Trubel, die Lautstärke und das unübersichtliche Gewimmel müssen wir uns erst wieder gewöhnen. Eine Stadtbesichtigung darf natürlich auch nicht fehlen, bevor wir uns, bewaffnet mit Badesachen das vielgepriesene „Paradise Valley“ mit eigenen Augen ansehen. Paradies Valley ist eine faszinierende Oase rund um Agadir mit wunderschönen kleinen Schluchten des Qued Tamraght, umgeben von Palmen, Arganbäumen, Oleandern und natürlichen Pools. Nach einer einstündigen Wanderung inmitten des Waldes, der Berge und Flüsse treffen wir auf einen schönen und überraschenden Ort mit drei großen Wasserfällen mit natürlichen Pools, dazu türkisfarbenes Wasser. Wir fühlen uns wie im Paradies auf Erden. Während die einen sonnenbaden und entspannt die Idylle genießen, kommen andere beim Klippenspringen und schwimmen in dieser wundervollen Umgebung voll auf ihre Kosten. So kommt es, dass wir uns nur sehr schwer von diesem für uns einmaligen Ort trennen können und doch länger verweilen als geplant.

Natürlich ist auch eine Wüstentour auf dem Rücken von Kamelen geplant und so machen wir uns auf Richtung Marrakesch bis wir Ziegen auf Bäumen entdecken. Das sieht für uns so unwirklich aus, dass wir diese Szene auf jeden Fall mit Fotos festhalten wollen. Ein Bauer, der ganz in der Nähe sein Feld bestellt erklärt uns, was es mit den kletternden Ziegen auf sich hat. Nur der Arganbaum, wird von den Ziegen bestiegen. Der Baum hat kleine gelbliche Blüten, die kleine Früchte produzieren. Der Samen der Frucht befindet sich in einer Nuss, die von weichem Fruchtfleisch und zäher Außenhaut umgeben ist. Zuerst knabbern die Ziegen die tief hängenden Früchte. Sobald sie die leicht zu erreichenden Früchte verschlungen haben, krabbeln sie auf der Suche nach mehr in den Baum. Damit haben die marokanischen Ziegen ein Nahrungsmittel  für sich entdeckt, dass sie nicht mit den Menschen teilen müssen.

Auf dem Rest des Weges nach Zagora, einem kleinen Ort am Rande der Wüste, kommt langsam etwas Nervosität auf, denn auf einem Kamel durch die Wüste reiten, hat schon eine ganz besondere Note. Etwas Geduld wird uns aber abverlangt, denn es erwartet uns noch eine Nacht in den typischen Beduinenzelten und natürlich eine typische über dem Feuer zubereitete Mahlzeit, die ganz hervorragend schmeckt.

Mit dem Gefühl, in einer ganz anderen Welt zu sein, lassen wir diese Etappe ausklingen und begeben uns in unsere Zelte, denn die nächste Etappe startet bereits im Morgengrauen.

Reisebericht 26. Etappe 1.188 km (gesamt 22.714 km)

Auch wenn wir erwartet haben in der Nacht kein Auge zuzumachen, überfällt die meisten von uns schon nach kurzer Zeit eine bleierne Müdigkeit, gefolgt von einem Tiefschlaf, aus dem wir schon vor Sonnenaufgang wieder geweckt werden. Kurzes orientieren, eine Tasse warmes Gebräu und schon steigen wir auf die Kamele. Das ist ja ganz easy, bis das riesige Tier sich zu seiner vollen Größe aufstellt und in einen langsamen schaukelnden Trott verfällt und Richtung Wüste los trabt. Mittlerweile sind alle unterwegs, Fotos werden geschossen und ein Gefühl grenzenloser Freiheit holt uns ein. Zwei Stunden später, Sand soweit das Auge reicht, die Sonne ist aufgegangen und die Luft flimmert von der Hitze. Schweiß tropft uns aus allen Poren, der Bauch blubbert vom vielen Wasser, das wir bei den Temperaturen trinken und das Sitzen auf dem riesigen Tier wird langsam zur Qual. Endlich, ein grüner Punkt, oder bilden wir uns das ein. Unsere Guides machen sich einen Spaß daraus uns zu verwirren. Wir haben keinerlei Orientierung mehr und wären ohne die Guides und die Kamele hoffnungslos verloren in der riesigen Wüste. Eine kleine Erholungspause in der Oase, die wir tatsächlich gesehen hatten und es geht zurück über hohe Wanderdünen, von denen wir bis zur Grenze nach Algerien schauen können. Fünf Stunden auf einem Kamelrücken und wir wagen zu bezweifeln, dass wir uns jemals wieder richtig hinsetzen können. Wie schaffen das bloß die Beduinen, Tage durch die Wüste zu reiten?

Laufen klappt aber noch, und das ist zuerst einmal das Wichtigste, wollen wir doch in wenigen Tagen Marrakesch erreichen und das schaffen wir auch. Marrakesch ist eine schöne und moderne Stadt, mit einer für Marokko üblichen Medina (Altstadt). Beim Weg durch die vielen kleinen, verwinkelten Gassen haben wir das Gefühl in 1001 Nacht versetzt zu werden. In jedem Haus ein kleines Lädchen, überall die bunten Gewürztürme, die unsere Blicke immer wieder anziehen. Da gerade keine Reisezeit ist, erleben wir Marrakesch mehr ursprünglich, ohne den Riesenansturm der Touristen, was uns natürlich gefällt. Das Märchenfeeling müssen wir hinter uns lassen, denn die Reise muss weitergehen. Im Hintergrund auf der einen Seite das Atlasgebirge,- leider müssen wir auch den ein oder anderen Ausläufer übersteigen-, auf der anderen Seite das tiefblaue Meer, erreichen wir Fes.

Diese Stadt, stellt Marrakesch sowas von in den Schatten. Das hatten wir nicht erwartet. Besonders die Medina hat es uns angetan, mit den engen, verwinkelten Gassen. Verlaufen ist hier Teil der Sehenswürdigkeit und des Erlebnisses!

Fes hat die weltweit größte orientalische Medina aus dem Mittelalter und ist mit knapp 11.000 Gassen ein absolutes Labyrinth. Bis heute soll es keine genaue Karte geben, die alle Gassen richtig abbildet. Rings um die Medina ist noch die historische Stadtmauer erhalten, die die Altstadt von der Neustadt trennt. Autos müssen vor der Mauer stehen bleiben. Hinein in die vollen Gassen geht es nur zu Fuß durch das wunderschöne goldene Eingangstor „Bab Bou Jeloud“,eingerahmt von den faszinierenden blauen Kacheln, die schon fast als Wahrzeichen der Stadt Fes gelten.   Es fühlt sich an wie eine Zeitreise in den Orient. Die Gassen sind teilweise so schmal, dass nicht einmal zweit Leute nebeneinander laufen können. Lasten werden mit Karren oder Eseln transportiert, an jeder Ecke erwarten uns neue Gerüche, Einblicke und Waren. Es wird einfach alles verkauft: Gemüse, Fleisch, Gewürze, Gewänder, Leder, Handwerk. An jeder Ecke wird wild gestikuliert und lautstark verhandelt, aber egal wie der Handel ausgeht oder wie hart er war, verabschiedet man sich am Ende immer wieder freundlich und respektvoll. Arbeit und Freundschaft wird hier strikt getrennt. Die Stadt ist einfach voll von Menschen und Leben so märchenhaft und doch authentisch, dass wir uns manchmal fragen, ob das alles nur ein langer Traum ist. Zwei total unterschiedliche Gebäudeformen prägen hier das Stadtbild. Zum einen sind es die „Riads“, die hochwertigen traditionellen marokkanischen Häuser mit einem Innenhof oder Garten, die immer ein schattiges Plätzchen bereithalten, zum anderen die „Kashbahs“, die als Burg- und Festungsanlagen in der Medina erbaut wurden.

Um einen besseren Überblick über die Stadt zu bekommen, erklimmen wir den kleinen Hügel neben den Mauern der Medina. Nur zehn Minuten und die Stadt erscheint von hier oben ganz anders. Hier erkennen wir erst einmal, wie groß die Altstadt in Wirklichkeit ist und das Besondere ist, dass man von hier oben zwar einen Überblick von Fes bekommt, einen Einblick in das Leben der Stadt erhält man aber nur zwischen den Häusern. All der Trubel in den Gassen bleibt von hier oben verborgen, da die Gassen so schmal sind, dass man nicht hineinschauen kann. 

Und wieder einmal fällt der Abschied schwer, aber die Fähre, die uns aus unserem Märchenland nach Spanien bringen soll ist gebucht. Einen kleinen Zwischenstop legen wir noch an den 7 km entfernten kleinen Cascades ein, um uns ein wenig zu erfrischen, denn die Temperaturen haben heute Morgen schon die 30 Grad-Marke überschritten. Dann geht es zügig weiter zur Hafenstadt Tanger, die wegen ihrer charakteristisch kalkverputzen Bauwerke auch als „weiße Stadt“ bezeichnet wird, die keine Urlaubswünsche offen lässt. 

Viel Zeit haben wir nicht mehr, deshalb wollen wir uns die Stadt vom höchsten Punkt ansehen. Oben angekommen erwartet uns ein wundervoller Ausblick über die Küste, den Fährhafen, die Dächer der Stadt, und die Kasbah, eine alte Festung, die Ende des 18. Jahrhunderts von kolonialen Herrschern aus Portugal aus alten Ruinen der Römerzeit wieder aufgebaut wurde. Die letzten Stunden in 1001 Nacht genießen wir je nach Lust und Laune mit Besichtigungen der vielen Museen, Schlendern durch die Medina, entspannen in einem der vielen Kaffees, Restaurants oder einfach am Strand in weichem Sand. 

Reisebericht 27. Etappe 582 km (gesamt 23.296 km)

Früh morgens verlassen wir Tanger, das sogenannte „Tor Afrikas“ über die Meerenge (Straße von Gibraltar), um nach etwas mehr als einer Stunde in Tarifa, der südlichsten Stadt an der Südküste Spaniens wieder europäischem Boden unter unsere Füße zu bekommen. 

Kaum betreten wir den alten Stadtkern, der von dicken Festungsmauern umgeben ist, empfängt uns schon die für diesen Ort typische kühle Brise. Auf dem Südzipfel Spaniens weht der Wind immer direkt übers Meer, also wassergekühlt ins Städtchen, und für ein angenehmes Klima sorgt. Die Stadt, die sowohl über das Mittelmeer als auch auf den Atlantik blickt, verfügt über weite Strände, an denen ein kräftiger Ostwind weht. Dieser ständig präsente Wind macht Tarifa zum Surfmega Europas. Und so treffen wir hier besonders viele junge, braungebrannte Surfer, denen wir stundenlang zuschauen, wie sie über die Wellen heizen oder nach meterhohen Sprüngen meist wieder sicher auf der Wasseroberfläche landen. Dieses Spektakel zieht nicht nur uns in den Bann, auch viele andere Touristen belagern die feinen Sandstrände, um sich entweder selbst in die Fluten zu stürzen oder wie wir das Geschehen mit Staunen zu beobachten. 

Und wieder werden die Schuhe geschnürt und der Weg fortgesetzt, denn Sevilla wartet auf uns. Mit 35 Grad knallt die Sonne auf unsere Haut, die Rucksäcke wiegen schwer und wir stapfen durch die Gassen, die so schmal sind, dass man sich von den verzierten Balkonen aus unterhalten kann. Die Innenstadt besteht gefühlt nur aus Altstadt. Eine schmale Gasse reiht sich an die nächste, Häuserfassaden fließen ineinander, schmieden sich wellenförmig aneinander. Bunte Häuser, hell, weiß, creme, pastellfarben und orange, Fliesen, Stuck, Kopfsteinpflasterstraßen, Innenhöfe, Häuser, die in der Mitte offen sind, Terassen auf Dächern, Klänge von Straßenmusikern und der Duft von Blumen und Orangen überall. Das alles ist Altstadt, das alles ist Sevilla. 

Natürlich steht der Besuch der größten gotischen Kathedrale der Welt, die Kathedrale von Sevilla, auf unserem Programm. Und sie ist wirklich riesig. Um die berühmten vierzehn Spitzen bestaunen zu können, müssen wie die Köpfe so weit in den Nacken werfen, dass es weh tut. Die Kathedrale wurde im 15. Jahrhundert erbaut und gehört zum Weltkulturerbe. Mit vielen anderen Touristen erklimmen wir Stockwerk für Stockwerk den über 100 Meter hohen „Giralda-Turm“, um den sagenhaften Ausblick über die Stadt von dem kleinen Balkon zu genießen.

Und dann kommen wir an den Fluss, der sich quer durch Sevillas Altstadt schlängelt, der Guadalquvir, mit seinen 657 Kilometern der längste Fluss Andalusiens. Blassblau und irgendwie märchenhaft schiebt sich der Fluss durch die Stadt, rechts und links gesäumt von Häusern, Bäumen, Palmen und immer wieder ein Kirchturm und eine prächtige Brücke. Alles flimmert, erscheint fast unwirklich.

Schließlich erreichen wir das orientalische Viertel der Stadt, Santa Cruz, dem historischen Stadtzentrum, das jüdische Viertel. Überall in dem Labyrinth aus engen Straßen und Häusern mit schweren Holztüren gibt es typische andalusische Spezialitäten, die wir am liebsten alle kosten würden, was bei dem Angebot gar nicht möglich ist. Eins aber lassen wir uns nicht entgehen, den besten Sangria der Welt.

„Dauert aber 15 Minuten,“ sagt uns der Kellner „wir mischen den immer frisch“. Und genauso schmeckt er auch. Unbeschreiblich gut! 

Im Inland ist es ganz schön heiß und so freuen wir uns nach diesem Abstecher wieder ans Meer zu kommen, und zwar direkt in die Geburtsstadt Picassos nach Malaga. Wir starten die Besichtigung mit der bekanntesten Sehenswürdigkeit das über 600 Jahre alte Schloss „Gibralfaro“ auf dem Burgberg, mitten im Stadtzentrum, das in der maurischen Zeit gebaut und Anfang des 19. Jahrhunderts relativ stark beschädigt wurde. Das absolute Highlight sind die unzähligen Aussichtspunkte entlang der Befestigungsmauer, die gigantische Blicke über die gesamte Stadt bieten. Wie es sich für eine Großstadt Spaniens gehört, finden wir in Malaga auch eine Stierkampfarena, die Platz für 9.000 Menschen bietet und damit eine der größten Arenen in Spanien ist. Leider finden dort auch heute noch sehr fragwürdige Stierkämpfe statt. Neben dem wuseligen Altstadtleben hat Malaga auch einen riesigen Hafen. Früher war der Hafen eine reine Handelszone. Heute schlendern wir die schöne Hafenpromenade entlang, den Schatten der unzähligen Palmen genießend, lassen uns in den unzähligen Restaurants und Bars verwöhnen oder besuchen den hippen Markt, auf dem von frisch gepressten Mojitos über handgemachte Kleidung bis hin zu typischem Touri-Ramsch alles angeboten wird.

Malaga bietet einen faszinierenden Mix aus Erholung, Sightseeing, leckerem Essen und jeder Menge spanischem Flair, so dass für jeden etwas dabei ist. 

Gut gestärkt führt uns der Weg nach der nicht weniger geschichtsträchtigen Stadt Cordoba, direkt in die „Mezquita“, eine ehemalige Moschee, die von 

König Alfons X in eine Kirche umgewandelt wurde und heute eine der bekanntesten Kathedralen Spaniens ist. Die besondere Bauweise erinnert heute noch stark an eine Moschee. Im Inneren der Kirche beeindruckt uns die Mischung zweier Religionen ganz besonders. Auf der einen Seite typisch arabische Verzierungen, unzählige rot-weiße Bögen und sogar eine ehemalige islamische Gebetsnische (Mihrab). Auf der anderen Seite goldene Altäre, große Kreuze, eine riesige Orgel und duftender Weihrauch. Nicht weniger prachtvoll ist der „Alcazar“, der früher als Palast der christlichen Könige galt. Das gesamte Areal ist eine wirklich gigantische Anlage mit wunderschönen Gärten, ewigalten Steinmauern, verzaubernden Innenhöfen, arabischen Bädern und hohen Wachtürmen. Gemütlich durch die Anlage schlendernd lassen wir Jahrtausende alte Geschichte auf uns wirken, bevor wir die bekannte Romano-Brücke überqueren, vorbei am Torre de la Calahorra, dem ältesten Wachturm, von dem aus früher der Zugang zur Stadt gesichert war. Der Blick auf die gesamte Puente Romana auf dieser Flussseite ist ebenso beeindruckend wie die ganzen Bauwerke der Stadt. Eigentlich sind wir schon müde vom Laufen und den vielen Eindrücken, aber der Besuch der grandiosen Altstadt ist ein absolutes Muss. Sie strotzt an allen Ecken und Enden vor kleinen, liebevollen Details und haut uns immer wieder von den Socken. Während sich in der „Calle de los Deanes“, die Touristen durch die unzähligen Souvenierläden schieben, ist die „Calleja del Indiano“ mit ihrem riesigen Eingangstor, den weißen Häusern, schwarzen Fenstergittern und großen Pflanzen einer der wenigen Ecken, in denen sich die Touristen nicht verlaufen. Gerade das ist für uns der Reiz dieser hübschen Straße. 

Mittlerweile ist es spät geworden und Cordoba bei Nacht, mit all seinen Lichtern, Farben und der Pracht erscheint uns noch schöner. Wir genießen diese Pracht, und das gute Essen in den kleinen Restaurants und beschließen diese Etappe hier zu beenden. 

Reisebericht 28. Etappe 1.059 km (gesamt 24.354 km)

Während wir in Erinnerung noch in Cordoba weilen, nähern wir uns schon dem nächsten traumhaften Ziel, der Alhambra in Granada, einer Sammlung von Palästen der maurischen Könige. Der schönste Anblick bietet sich uns, als die Sierra Nevada am Horizont auftaucht. Wie auf Bestellung hat es die vergangene Nacht in den Bergen geschneit und vor dem tiefblauen Himmel liegen weiß verschneite Berge und zu deren Füßen die Stadt Granada. Kein noch so schönes Werbefoto könnte diesen Anblick toppen. Jetzt können wir es kaum erwarten endlich in die Geschichte einzutauchen.

Es dauert noch etwas, bis unsere Führung beginnt und so suchen wir uns einen warmen, sonnigen Platz am „Torre De Gallinas“, übersetzt Hühnerturm. Ein merkwürdiger Name für einen Turm von dem man eine fantastische Sicht auf Granada hat. Sollte dieser strategisch wichtige Punkt wirklich als Hühnerstall gedient haben? Endlich ist es soweit. Die Führung startet im Palast Karl des V geht über einen Patio zum Myrtenhof und führt gut zwei Stunden von einem prunkvollen Palast zum nächsten, unterbrochen von traumhaften Gartenanlagen mit Wasserspielen, Palmen, Orangenbäumen und anderen südländischen Gewächsen. Das dieses Bauwerk und seine Geschichte täglich Massen von Touristen anzieht, wundert uns nicht. Unsere Köpfe nehmen mittlerweile keine Informationen mehr auf und so sind wir froh, jetzt ganz entspannt durch die Altstadt zu schlendern und hier und da zu verweilen, um neue Energie für weitere Erkundungen zu sammeln. Auf unserem Weg liegt noch das älteste arabische Bad „El Banuelo“ aus dem 11. Jahrhundert und der „Alccaiceria Markt“, ein großer Basar und ein idealer Ort, um Souveniers für die Zuhause gebliebenen zu finden.

Ein beeindruckendes Erlebnis heben wir uns noch für den Abend auf; das Zigeunerviertel „Sacromonte“. Hier gibt es noch in steilen, schmalen Straßen die typischen Grottenwohnungen, von denen wir eine derzeit unbewohnte Grotte besichtigen dürfen. Und nicht nur das;

Nach langem Betteln lässt sich eine Gruppe Tänzerinnen und Tänzer erweichen, extra für uns diesen so typischen spanischen Tanz den Flamenco aufzuführen. Ein Schauspiel, das immer mehr Menschen anlockt und die Tänzer immer weiter anfeuert. Ein Tanz geht in den anderen über und ehe wir uns versehen, ist es bereits Mitternacht und für uns Zeit den Tag zu beenden.

Hier im Inland ist es immer noch über 30 Grad. Wir freuen uns schon darauf in Valencia wieder ans Meer zu kommen. Und es ist himmlich! Feinster Sandstrand,  blaues Wasser soweit das Auge reicht und Platz ohne Ende. Dazu zahlreiche Beachbars und ein Hafen indem beeindruckende Segelboote und Katamarane ankern.

Entlang einem zum Park umfunktionierten Flussbett geht’s weiter. Schon bald sehen wir die atemberaubende Brücke „Calatravas“, bevor wir ins nicht weit entfernte Stadtviertel Ruzafa gelangen in dem es, laut unseres Guides, die beste valencianische Paella gibt, natürlich in Verbindung mit einem Glas Sangria. Und er hat recht! 

Bis wir den Hauptplatz am Rathaus passieren ist es bereits dunkel. Schillernde Lichter beleuchten den riesigen Brunnen und das wundervolle Rathaus. Die Kathedrale und den „Plaza de Tossal“ an dem es die weltweit besten Tapas und das beste Eis geben soll heben wir uns für morgen auf. Auch hier hat sich die Empfehlung bewahrheitet, so dass wir gut gestärkt am nächsten Tag weiter gen`Norden Richtung spanischer Hauptstadt Madrid weiterziehen.

An viele Touristen haben wir uns seit wir Spanien erreicht haben schon gewöhnt, nicht aber an diese Lautstärke, den Verkehr, das Piepsen der Ampeln und den Geräuschpegel der sich tummelnden Menschen. Die Spanier scheint das nicht zu stören, sitzen sie doch gemütlich Kaffee trinkend direkt an den stark befahrenen Straßen. Abgesehen von dem Geräuschpegel zeigt sich uns die Stadt wirklich als Königsstadt. In der Altstadt reiht sich ein reich verziertes Haus ans nächste, so dass wir uns kaum entscheiden können, was wir als Erinnerung festhalten sollen. Den Namen Königsstadt hat Madrid, weil der „Palacio Real“ der größte königliche Palast in Westeuropa ist. Den müssen wir uns natürlich ansehen. Die Führung lassen wir allerdings ausfallen und widmen uns dem äußeren Anblick. Im bezaubernden „Park des Cuartael de la Montana“ wundern wir uns doch sehr über den „Tempel von Debod“, der mit seiner altägyptischen Architektur so gar nicht nach Spanien passen will. Ein netter Spanier bemerkt unsere fragenden Gesichter und erklärt uns mit typisch spanischem Humor und einem Kauderwelsch aus Spanisch, Englisch und ein paar Brocken Deutsch, das der Tempel durch den Bau des Assuan-Staudamms von Überflutung bedroht war und mit viel Mühe hierhergebracht und wieder aufgebaut wurde.  

Während die Fußballfans unter uns unbedingt dem berühmten „Estadio Santiago Bernabeu“ einen Besuch abstatten müssen, können sich die Kunstliebhaber in den vielen Kunstmuseen der Stadt nicht satt sehen. 

Überhaupt überrascht uns die Stadt mit ihren vielen verwinkelten Gassen, mondänen Plätzen, vielen Parks, Tiergärten, verspielten kleinen Lokalen und Pubs, die zum Verweilen einladen. 

Reisebericht 29. Etappe 1.117 km (gesamt 25.431 km)

Genug entspannt, jetzt heißt es Schuhe schnüren und weiter `gen Norden, Richtung Meer. Aber zuerst müssen wir uns durch das Iberische Gebirge kämpfen. Immer wenn wir eine Höhe erreicht haben, führt uns der Weg wieder nach unten, nur damit wir kurze Zeit später wieder hinauf kraxeln müssen. Die Aussicht von oben ist allerdings oft überwältigend und so arbeiten wir uns durch bis wir in Tarragona das Meer erreichen. 

Schon von weitem ist das Aquädukt „Pont de les Ferreres“ (Brücke des Teufels) mit seinen 217 m Länge und 27 m Höhe zu sehen. Angeblich entstand das Bauwerk bereits in der Zeit von Kaiser Augustus und war damals 25 km lang. In der Stadt angekommen haben wir das Gefühl, dass die Geschichte mit jedem Schritt und Tritt greifbar ist. Und es soll noch besser werden, findet doch am Abend eine Aufführung im Amphitheater statt, die uns direkt ins Mittelalter katapultiert. So hautnah und grausam haben wir Geschichte noch nie erlebt. Froh darüber, im hier und heute zu leben, stapfen wir immer die Küste entlang bis Barcelona, der Stadt am Mittelmeer mit 1,6 Millionen Einwohnern. Auch jetzt Ende September floriert der Tourismus in dieser pulsierenden Metropole. Da fast alle größeren Straßen an der Hafen- oder Strandpromenade enden oder vorbeiführen, starten wir gleich hier mit unserer Entdeckungsreise, die sehr kontrastreich beginnt. Während an der einen Straßenseite die historischen Gebäude ineinander übergehen, vermitteln auf der anderen Seite neue Stege und Brücken, ein großes Einkaufszentrum und viele Attraktionen einen krassen Gegensatz dazu. Unser Weg in die City führt uns direkt durch eine der Sehenswürdigkeiten Barcelonas, die „Rambla Straße“ (Flaniermaile), die zu jeder Zeit vollgepackt ist mit Menschen und auch uns ein wenig in Kaufrausch versetzt. Deutlich gemütlicher geht es in der Altstadt im gotischen Viertel zu. Zahlreiche Kirchen, Kathedralen und Monumente laden zum Besichtigen ein und so arbeiten wir uns mal hier und dort stehen bleibend, langsam vor bis auf den zentralen Platz Barcelonas, den „Placa Catalunya“. Sehenswürdigkeiten sind hier Fehlanzeige und trotzdem tummeln sich Einheimische und Touristen in den Caffees, kleinen Restaurants oder auf den Treppenstufen und genießen das rege Treiben und den Sonnenschein, so dass wir regelrecht gezwungen sind uns dazu zu gesellen. Den Nachmittag verbringen wir mit shoppen, entspannen in den unzähligen Parks oder dem langen Sandstrand oder im kühlenden Meer, um am Abend den Weg durch die kleinen Gassen Richtung Hafen einzuschlagen. Nicht umsonst folgen wir diesem Insidertipp, denn hier gibt es die beste Paella mit fangfrischen Meeresfrüchten und die besten Tapas. 

Für die Fotografen unter uns bietet die Sonne heute ein ganz besonderes Schauspiel, indem sie als leuchtend roter Ball langsam im Meer versinkt, während eine leichte Brise über das Meer bläst und die Boote gemütlich auf den Wellen schaukeln lässt. Diese Idylle wollen wir uns lange bewahren und so wählen wir den etwas längeren Weg Richtung Frankreich, der uns immer am Meer entlang führt. Kurze Stopps legen wir in den typischen Urlauberhochburgen Calella, Lloret de Mar, Palamos und L`Escala ein, die von Touristen und Sonnenschirmen so überfüllt sind, dass wir das Meer kaum sehen können. St. Pere Pescador gefällt uns dann doch deutlich besser, mit seiner kleinen aber feinen Einkaufsstraße, der schönen Kirche und den vielen Windsurfern, die mit ihren bunten Segeln übers Meer heizen. Bekannt ist diese Gegend durch den besonders würzigen Rotwein und den Sangria, der in einigen Weingütern nur Fässchen weise verkauft wird. Das erscheint uns dann doch etwas anstrengend für unseren weiteren Weg und so können wir nur so viel mitnehmen, wie unsere Mägen und Köpfe vertragen. Trotzdem, der Abstecher hat sich auf jeden Fall gelohnt. 

Die gesamte Bucht „des Rosses“ bietet ideale Bedingungen für Windsurfer und so können wir wandern und staunen problemlos miteinander verbinden. Mittlerweile hat sich die Landschaft gewandelt. Das Meer im Vordergrund, weiße Bergspitzen im Hintergrund und dazwischen Salzseen in denen hunderte von Flamingos auf einem Bein stehend nach Nahrung suchen unterbrochen von kleinen Gehöften und Pferdekoppeln. Einen Kamelritt haben wir ja schon hinter uns, warum also nicht die Füße schonen und die Pferde laufen lassen? Gesagt, getan, und so sitzen wir nach einer gefühlt viel zu langen Einweisung auf den Pferderücken und traben langsam durch die Camarque. So ganz bequem ist das zwar auch nicht für Menschen, die normalerweise nicht reiten, aber es macht Spaß, vor allem als drei Pferde einen schnelleren Schritt einschlagen und die Reiter mit panischem Geschrei reagieren. Die Pferde sind das gewohnt und fallen nach nur einem kurzen Befehl wieder zurück in den gemütlichen Gang.

Die Reiteinlage hat uns etwas Zeit gekostet, die wir in Montepellier wieder einsparen müssen. Nur ein kurzer Stopp, -den riesigen französischen Markt, dürfen wir nicht verpassen-, und schon geht’s weiter bis Marsaille. Es ist schon fast dunkel, als wir am Ende unserer Kraft die Stadt erreichen. Und so fallen wir nur noch müde in unsere Betten, um die Stadt morgen früh ausgeruht und entspannt zu erkunden.

Reisebericht 30. Etappe 857 km (gesamt 26.288 km) 

Die Stadt Marsaille, umgeben vom Meer, herrlicher Natur, kleinen Hügeln und Felsenbuchten verzaubert uns mit einem ganz eigenen Charme. Wir nähern uns dem „Alten Hafen“ und mit jedem Schritt wird es bunter und lebendiger um uns herum. Überall sitzen die Leute gemütlich in den Cafés und Brasserien, schauen den Booten beim An- und Ablegen zu und flanieren über den Hafen. Und genau das tun wir auch. Der ein oder andere von uns schwingt sich eine Runde aufs Riesenrad und bewundert die bezaubernde Stadt von oben, aber eines wollen wir uns alle nicht entgehen lassen, das Wahrzeichen der Stadt der „Notre-Dame de la Garde“. Die Basilika, ein wahres Meisterwerk an Baukunst gepaart mit der herrlichen Aussicht über die zweitgrößte und älteste Stadt Frankreichs ist echt unbeschreiblich. 

Zurück führt uns der Weg durch das sogenannte „Tor zum Mittelmeer“ in die pulsierende Hafenstadt mit kleinen verwinkelten Gässchen, hübschen Boutiquen und liebevoll gestalteten kleinen Plätzen, die echte Lebensfreude ausstrahlen. Dieses wunderbare Gefühl können wir auch mit der besten Kamera nicht festhalten.

Auch die wunderschönen Strände der Stadt, der „Plage du Prado“ und der „Plage de la Pointe Rouge“, laden geradezu dazu ein, die Seele baumeln und die Meerluft um die Nase wehen zu lassen. 

Bei so viel Entspannung lassen wir es uns nicht entgehen, am Abend noch eine Runde durch die prachtvoll beleuchtete Stadt zu drehen und an einer der vielen Strandbars mit Blick auf das Meer einzukehren, bevor wir uns am nächsten Tag unter die „Schönen und Reichen“ in Saint Tropez mischen. 

Während früher die Einwohner des ehemals kleinen Fischerdörfchens Saint Tropets in die weite Welt hinaus strebten, so ist es heute die ganze Welt, die diesen berühmten Ort aufsucht. Und so flanieren auch wir entlang der Hafenpromenade, vorbei an Segelbooten und luxuriösen Yachten auf der einen Seite und pittoresken Häuserfasaden mit edlen Boutiquen, Restaurants und Cafès auf der anderen Seite und besuchen die einzigartige Zitadelle, in dem sich das „Musèe National de la Marine“ befindet. Viele Schöne und Reiche sind uns in Saint Tropez zwar begegnet, aber so eine richtige Berühmtheit ist uns dann doch nicht über den Weg gelaufen. Schade eigentlich!

Und schon geht es weiter nach Nizza, der Stadt mit vielen architektonischen Highlights, einer malerischen Altstadt und einem schönen Hafen. Der kleine, aber feine Flohmarkt am „Palace de la Justice“ und der lebhafte Obst- und Gemüsemarkt am südlichen Ende der Altstadt haben es uns angetan, gibt es hier doch die Spezialität Nizza`s die „Socca“; eine Pfannkuchenspezialität aus Kichererbsenmehl. Hört sich nicht besonders an, ist es aber! 

Gut gestärkt machen wir uns anschließend auf den etwas anstrengenderen Aufstieg zum Aussichtspunkt des Hügels „Colline du Chàteau“, von dem wir einen wundervollen Ausblick auf die Altstadt von Nizza und die Promenade „des Anglais“ haben. Für die Cascade „du Casteu“ und die Kathedrale „Sainte-Marie de Ciniez“ nehmen wir noch einen kleinen Umweg in Kauf, bevor wir uns am Strand niederlassen. Während die einen am Strand entspannen und Sonne tanken, stürzen sich die anderen in die Fluten und tauchen nach alten Wracks oder shippern los, um Wale zu beobachten, die sich vor der Küste tummeln. 

So genießen wir den letzten Tag unserer Reise am Meer mit etwas Wehmut, wissen wir doch, dass bald der Winter kommt, die Sonne zur Rarität wird und wir das Rauschen des Meeres und die Schreie der Möwen frühestens im nächsten Jahr wieder hören werden. 

Zum Glück scheint die Sonne vom wolkenlosen Himmel, als wir vom Meer Abschied nehmen und den Weg durch die ehemalige Alpenrepublik Briancon durch das ziemlich gebirgige Savoyen einschlagen. Unterwegs wechseln weite offene Landschaften mit dunklen Wäldern, aussichtsreichen Kreten mit engen Schluchten, grüne Täler mit felsigem Gebirge und historische Städte mit abgelegenen Alpenregionen bis wir den „Lac du Bourget“ erreichen. 

Wir wundern uns am nächsten Morgen doch sehr über die Trägheit, mit der der Tag beginnt, denn die Tage beginnen spät am Lac du Bourget, dem größten natürlichen See Frankreichs. Dass das Leben nur schleppend in Gang kommt, liegt am voralpinen Massif de Bauges, das den beeindruckenden See im Osten Richtung Italien abgrenzt. Erst müssen sich die Sonnenstrahlen über das bis zu 1.500 Meter hohe Gebirgsmassiv kämpfen, bis sie auf die tiefblaue Seeoberfläche treffen und die umliegenden Orte zum Leben erwecken. Und das dauert nun einmal seine Zeit. Auf der anderen Seite, im schwer zugänglichen westlichen Teil, wird der See durch ein schroff zum Ufer abfallendes Gebirge begrenzt. Bis zu 1.390 Meter hoch reichen die südlichen Ausläufer des Juras hier. Und sorgen dafür, dass schlechtes Wetter selten den See erreicht. 

Trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit und den schattenspendenden Bergen ist das Wasser noch relativ warm, so dass wir uns noch ein wenig in und auf dem Wasser tummeln können. Inliner haben wir leider nicht im Gepäck, obwohl der gut ausgebaute Weg um den See geradezu zum skaten einlädt. Nach dem vielen Laufen die letzten Monate leihen wir uns nur allzu gerne Fahrräder und erkunden die idyllischen Orte rund um den See. Ein paar ganz Mutige wagen sich ans Gleitschirmfliegen, um den Höhenrausch zu genießen und die Welt aus der Vogelperspektive zu betrachten, während wir anderen  gespannt die Szenerie der vielen Gleitschirme am Himmel, vor den schneebedeckten Bergen beobachten und froh sind, dass die ganze Gruppe unversehrt und unbeschwert den Abend mit leckerem Essen unter freiem Himmel genießen kann.

Reisebericht 31. Etappe 673 km (gesamt 26.961 km)

Wir verlassen diesen idyllischen Ort in den frühen Morgenstunden. Der See liegt noch im Schatten und es ist ganz schön kühl, als wir uns auf die Socken machen. In nur 43 km Entfernung liegt unser nächstes Ziel, der Lac du´ Annecy. Die Berge sind hier nicht ganz so hoch und die Sonne lässt den See in einem ganz besonderen Blau erscheinen, sodass wir uns direkt ins Wasser stürzen wollen. Gleichzeitig lockt uns auch das idyllisch gelegene Städtchen Annecy mit den vielen kleinen Brücken, den Geschäftchen, dem Flohmarkt und dem großen, parkähnlichen Hafengelände zu einer Stippvisite. Das Wasser muss warten, denn nach 10 Stunden Fußmarsch sind wir hungrig und auch ein wenig müde, sodass wir uns in einem gemütlichen Lokal niederlassen, uns stärken und die letzten Sonnenstrahlen genießen. Am Morgen strahlt die Sonne vom stahlblauen Himmel und lädt uns zu neuen Unternehmungen ein. Für heute stehen unterschiedliche Planungen auf dem Programm. Eine kleine Gruppe zieht los, um die Grotte zu besichtigen und an der Zipline über den Wasserfall zu fliegen. Eine andere Gruppe erkundet die Örtchen rund am See, während andere den See zum Surfen und Kiten nutzen, denn die Thermik bringt am Nachmittag einen recht kräftigen, aber warmen Wind. Ein paar Unermüdliche wollen aber noch einmal Bergfeeling und die zwei Spitzen der Berge Mont Veyrier und Mont Baron erwandern. Den Abend verbringen wir dann wieder gemeinsam beim Grillen am See, bei dem die lustigen Erlebnisse des Tages die Runde machen. 

Nach weiteren 50 km durch die französisch-schweizerische Bergwelt erreichen wir die Stadt Genf, die zwischen den Alpen und dem Juragebirge vor der spektakulären Kulisse des Mont Blanc an der Südspitze des ausgedehnten Genfer Sees liegt. Genf ist nicht nur eine Stadt mit vielen alten Gebäuden, sie ist gleichzeitig auch Hauptsitz der Vereinten Nationen in Europa und des Roten Kreuzes, sowie ein weltweites Diplomatie- und Bankenzentrum. Besonders beeindruckt hat uns die Führung durch das UNO Hauptgebäude, bei dem wir auch in den großen Konferenzräumen Platz nehmen durften, in denen sonst nur Angela Merkel und andere politische Größen sitzen. Noch ein wenig schlendern durch die belebte Genfer Innenstadt; shoppen ist hier nicht so angesagt, bei den Preisen, bevor wir den Tag an dem berühmten Wahrzeichen der Stadt der „Jet d`eau“ einer 140 Meter hohen Wasserfontäne, die bei Dunkelheit in ganz vielen Farben beleuchtet wird, ausklingen lassen. Ein wenig folgen wir noch dem Ufer des Genfer Sees, nicht ohne einen Stopp im malerischen Örtchen Yvoire, in dem sich auch in der Jahreszeit noch die Besucher durch die Gassen drängeln, abzustatten. Ein letztes Mal setzten wir mit der Fähre über, ein letzter Blick auf den See und die schneebedeckten Bergspitzen, bevor wir unsere Reise gen` Norden fortsetzten. Die Berge werden niedriger und der Bewuchs ändert sich. Am Neuenburger See gehen die Weinberge bis fast zum Seeufer hinab. Die Jahreszeit ist günstig. Trauben, dick und süß, rote und weiße, mit und ohne Kerne und Federweißer, direkt aus der Kellerei, mit frischem Zwiebelkuchen. Da müssen wir einfach einen Zwischenstopp einlegen. Mittlerweile hinken wir unserem Zeitplan etwas hinterher und planen die Stadt Basel etwas kürzer zu fassen. Und es kommt einmal wieder anders als geplant! Die Pausen  fallen ein wenig kürzer aus, die ein oder andere Sehenswürdigkeit wird im Vorbeigehen bewundert und dann stehen wir am Rhein! Was ist das? Was machen die Menschen da? Schwimmen im Rhein? Bei der Strömung? 20,30,40 und noch mehr Menschen, sind die alle verrückt hier in Basel? Die Leute spazieren an uns vorbei, wasserdichte Beutel umhängend, um dann über die Treppen zum Strand und in den Fluten des Rheins zu verschwinden. Wir fragen nach was hier vor sich geht und bekommen die Auskunft, dass man ab hier den Rhein runter schwimmen kann, eine Strecke von maximal 3 km und, dass man wenige Meter neben dem Einstieg bunte Fische (wasserdichte Beutel) kaufen kann, um alles einzupacken und mit Sack und Pack los zuschwimmen. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen, stürmen die Fischbude, packen im Null Komma Nix die Fische und ab geht’s, die Fische um den Bauch gebunden in den Rhein. Ein wenig frisch ist das Wasser schon, aber die Strömung, die uns gleich packt, die Landschaft, die aus der Perspektive so viel schöner aussieht und die Sicht auf die Stadt lässt uns die Wassertemperatur vergessen. Viel zu schnell, 50 min später sind wir schon am Ausstieg, trocknen uns ab und schlüpfen in unsere Klamotten, um die drei Kilometer zurückzulaufen und das Ganze noch einmal zu machen. Sowas hat man schließlich nicht alle Tage. Und so kommt es, dass wir auch hier deutlich mehr Zeit verbrauchen als geplant. Unserer Laune tut das keinen Abbruch, denn genau diese Erlebnisse werden uns ganz sicher in Erinnerung bleiben.     Auf dem Heimweg passieren wir die Stadt Straßburg mit dem Straßburger Münster. 142 m ragt der Turm des Münsters in die Höhe und bietet einen wunderschönen Ausblick, weit über den Rhein. Einen Schlenker durch die malerische Stadt muss auch sein, und schon bald erreichen wir die Grenze nach Deutschland. Wir sparen die Rheinschleifen aus, nehmen den kürzesten Weg, um ab Bingen wieder dem Rhein bis in unsere Heimatstadt Lahnstein, in der wir schon sehnsüchtig erwartet werden, zu folgen. Die Freude darüber das gesteckte Ziel tatsächlich erreicht zu haben ist riesengroß und nach ein paar Tagen der Ruhe und Entspannung geht die Planung weiter. Schließlich fehlt der Traumreise noch der krönende Abschluss.